Bienenfresser als neuer Brutvogel im Kanton Schaffhausen und in Vorarlberg (A)

Bienenfresser, 04.08.10, Schaffhausen (Foto S. Trösch)

Der Bienenfresser Merops apiaster zählt seit 1991 zu den regelmässig brütenden Vögeln in der Schweiz. Bis ins Jahr 2004 wurden 12 Brutorte erfasst (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007). Im Kanton Schaffhausen gab es bis anhin  nur sehr wenige Einzelbeobachtungen von Durchzüglern. Im Sommer 2010 gelang nun der erste Brutnachweis. Im benachbarten Hegau, auf deutschem Boden, gab es früher schon vereinzelte Bienenfresser-Bruten, bzw. Brutversuche, so dass die schaffhauser Brut in einem günstigen Habitat kein Zufall ist. Nach 7 ostwärts ziehenden Bienenfressern am 05.06.10 im Klettgau, wurden an anderer Stelle im Kanton im Laufe des Juli mehrmals Einzelvögel gesehen. Bei einer gezielten Nachsuche wurde dann der Brutplatz entdeckt. Aus Schutzgründen wurden die Meldungen bis zum Ende der Brutzeit (22.08.10) nicht veröffentlicht. Drei adulte Vögel fütterten von Mitte Juli bis zum 21.08.10 intensiv an zwei Brutröhren. Am 22.08.10 wurden 7 Ind. (wahrscheinlich 3 ad. + 4 juvenile) über dem Brutgebiet fliegend gesehen, bzw. Richtung Süden abziehend.

Im österreichischen Bundesland Vorarlberg gab es im sommer 2010 auch den ersten Brutnachweis. Die Art ist bisher in Kärnten, im Burgenland, Wien, Nieder- und Oberösterreich als Brutvogel in kleineren Kolonien etabliert (E. Albegger, briefl.). Im Rheindelta wurden im Juni bis zu 15 Bienenfresser gesehen. An mehreren Stellen wurden Brutröhren vorangetrieben. Ein erster Brutplatz wurde im Juni aufgegeben und rund einen Kilometer entfernt entstanden neue Brutröhren. Nachdem der Brutverlauf bei mehreren Paaren günstig aussah, wurde der eine Brutplatz durch einen Bagger zerstört und der andere wurde im August wahrscheinlich von einem Fuchs ausgegraben, was leider das Aus bedeutete.

Die Zunahme der Bruten im mitteleuropäischen Binnenland erfolgt parallel mit der Klimaerwärmung, so dass an günstigen Orten (z. B. Trockengebiete im Hegau und Kanton Schaffhausen) wieder mit Brutansiedelungen zu rechnen ist.

Fotos und Videoaufnahmen entstanden mit Digiscoping aus einer  unproblematischen Distanz von 50-100 Metern.
17.08.2010, Kanton Schaffhausen

Video: Zu sehen ist eine Fütterung sowie drei flügge Jungvögel, ferner auch eine weibliche Goldammer in Röhrennähe. Empfehlung: Vollbild-Modus  (4-Pfeile-Symbol rechts unten im Clip) sowie HD-Modus verwenden.

Rheindelta-Team holt 2. Rang am 7. Austrian Birdrace

Das 7. Austrian Bird Race fand am Wochenende vom 15./16. Mai 2010 statt. Bei zum Teil garstigen Wetter machten 176 Vogelkundlerinnen und Vogelkundler in 60 Teams österreichweit an diesem Anlass mit und konnten in neun Bundesländern insgesamt 212 Vogelarten notieren. Unverhofft wurden Brigitte Girsberger und Stephan Trösch, die an diesem Wochenende im Vorarlberger Rheindelta unterwegs waren, zu Teilnehmern dieses Anlasses. Sie trafen auf dem Rückweg vom Rheindamm nämlich auf Ernst Albegger, der sie zum Mitmachen animierte. Da beide Fahrräder mitführten, sagte das Team – nun als «Limosagucker» unterwegs – spontan zu.

Uferschnepfe, 16.05.2010, Höchster Ried (S. Trösch)

Das Wetter zeigte sich weiterhin von der trüben und regnerischen Seite, was aber der Freude, in einem schönen und interessanten Gebiet unterwegs zu sein, keinen Abbruch tat. Eine gewisse Spannung lag schon in der Luft, wieviele Arten da wohl innert 24 Stunden zusammen kommen würden, zumal die Rosinen wie Rotkehlpieper, Steinwälzer und Temminckstrandläufer knapp vor dem Birdrace-Start gesehen wurden . . .  Umso überraschter war das Team und rieb sich die Augen, als es von seinem 2. Rang las, mit beobachteten 91 Arten, hinter der Familie Karner-Ranner mit 93 Vogelarten im Burgenland. Den dritten Rang erreichten Werner und David Petutschnig aus Kärnten mit 90 Vogelarten.

Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren von bird.at. für das schöne Erinnerungsdokument und die Präsente, die an der Siegerehrung vom 05.06.10 in Windischgarsten (OÖ) leider nicht persönlich entgegengenommen werden konnten.

Ornithologischer Rundbrief Nr. 197 für das Bodenseegebiet erschienen

Mit der 197. Ausgabe ihres «Ornithologischen Rundbriefes für das Bodenseegebiet» nähert sich die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) als Herausgeberin der 200er Marke. Quartalsmässig wurde bis dato und ohne Unterbruch ausführlich über das avifaunistische Geschehen im Bodenseegebiet berichtet. So auch in der jüngsten Ausgabe, die das Frühjahr 2010 behandelt und u. a. den Umkehrzug im März von einigen Arten (Goldregenpfeifer, Kiebitz, Drosseln) näher beschreibt. In der Vorankündigung stehen drei Ereignisse: a) die  Jahrestagung der OAB vom 06.11.2010 in Romanshorn, b) die Zähltermine der Bodensee-Wasservogelzählung von September bis April und c) die Zugplanbeobachtungen im Eriskircher Ried vom 18.09. bis 24.10.10. Der Rundbrief kann nachstehend heruntergeladen werden. Ältere Ausgaben finden Sie auf der Homepage der OAB.

↓↓ Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet Nr. 197