8. Möwen-Bestimmungskurs am Bodensee — Intensive Hinführung zu Steppenmöwe & Co.

Bis zu 7 Silbermöwen beim Hafen Rorschach (Foto S. Trösch)

Birdwatchtours Bodensee organisierte am Wochenende vom 21. – 23.01.2011 am Bodensee in Arbon-Steinach-Rorschach die achte Ausführung des Möwen-Bestimmungskurses. Genau vor 10 Jahren setzte Stephan Trösch den Grundstein für den ersten Kurs dieser Art. Dank der professionellen Kursleitung von Paul Mosimann-Kampe (als Mann der ersten Stunde im Jahre 2001) und von Manuel Schweizer (Mitwirkung ab 2007) bildete dieser intensive Kurs für eine Vielzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern seit vielen Jahren das Verständnis in der Bestimmung von Grossmöwen. Beide Kursleiter zählen zu den besten Ornithologen und Möwenkennern in der Schweiz. Ihnen ist es einmal mehr gelungen, die nicht immer leichte Thematik der (Gross-) Möwenbestimmung mit überzeugenden theoretischen Hinführungen und praktischem Beobachten im Feld begreifbar zu machen.

Beobachtet wurde im Gebiet zwischen Arbon und Steinach sowie im Hafenbereich von Rorschach. Diese Orte zählen zu den Topadressen für überwinternde Grossmöwen in der Schweiz und am Bodensee. Von den vor einer Woche rund 50 anwesenden Steppenmöwen in der Steinacher Bucht war diesmal – wohl infolge der Bise – nur ein kleiner Teil zu sehen, umgekehrt liessen sich an allen Orten Silbermöwen in unterschiedlichen Kleidern sehr schön beobachten.

Das Hotel-Restaurant „Seegarten“ in Arbon war komfortable Unterkunft und Seminarort zugleich sowie Ambiente für kulinarischen Hochgenuss am Abend. Dass gleich neben dem Hotel und in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsraum auf einer gefrorenen Wiese noch rund 250 Grosse Brachvögel Nahrung suchten, sorgte für einen weiteren Höhepunkt an diesem gelungenen Kursanlass.

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GULLS of Europe, Asia and North America, Malling Olsen and Larsson

Als Standardwerk für die Bestimmung von Möwen darf folgendes Buch bezeichnet werden: GULLS OF EUROPE, ASIA AND NORTH AMERICA, Klaus Malling Olsen und Hans Larsson, Christopher Helm London, 2005.

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Nachstehend zwei Bestimmungshilfen (Mittelmeer- / Steppenmöwe) von Paul Mosimann-Kampe:

ORNIS Feb 2010 Steppen und Mittelmeermöwe ↓↓ (pdf, 243 kb)
Bestimmungshilfe Steppenmöwe und Mittelmeermöwe ↓↓ (pdf, 1159 kb)

Larus michahellis, adult, 23.1.2011, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, ad., 23.1.2011, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, Typ „omissus“, 22.1.2011, Staad SG (Foto S. Trösch)
Larus michahellis 2Y (links), Larus argentatus 2Y (rechts), 22.1.11, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, 2 Y, 23.01.2011, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, 2Y, 23.1.2011, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, 2Y, 23.01.2011, Rorschach SG (Foto S. Trösch)
Larus argentatus, 3Y, 23.1.2011, Rorschach (Foto S. Trösch)
Larus cachinnans (2Y) und Larus argentatus (2Y), 22.1.11, Arbon (Foto S. Trösch)
Larus cachinnans, 4Y, 21.01.2011, Arbon TG (Foto S. Trösch)

Als die Dornbirner Ache noch durch Fussach floss

Wer ins Feld zieht um Vögel zu beobachten führt neben einem Bestimmungsbuch und Notizmaterial oft auch eine geografische Karte mit. Sie hilft der Orientierung im Gelände oder ist die Basis für Revierkartierungen. Topografische Karten zeigen im Laufe der Zeit auch die Veränderungen einer Landschaft auf, z. B. die Zersiedelung oder die Räumung wertvoller Biotope. Die Schweizerische Landestopografie (http://www.swisstopo.admin.ch ) ist weltweit bekannt für ihre genauen Karten, z. B. jene im Massstab 1:25’000, welche detailgetreu die Realität auf ein zusammengefaltetes Papier bringt. Die Ursprünge dieser kartografischen Qualität liegen im vorletzten Jahrhundert, als unter Leitung des schweizerischen Generals Henri Dufour zwischen 1845 und 1865 die «Topografischen Karte der Schweiz» bzw. die nach ihm benannten «Dufourkarten» entstanden. Sie basierten auf der Vermessung der Kantone und wurden im Massstab 1:25’000 und 1:50’000 (Alpen) herausgegeben. Ein Mitarbeiter von Henri Dufour, Hermann Siegfried , brachte zwischen 1870 und 1922 den «Topografischen Atlas der Schweiz» heraus, welcher später als «Siegfriedkarte» bekannt wurde.

Fussacher Bucht um 1880 und heute (Quelle: http://map.geo.admin.ch)

Die Schweizerische Bundesverwaltung bietet mit einem hervorragenden Kartografietool (http://map.geo.admin.ch ) die Möglichkeit an, die Schweiz in den verschiedensten Massstäben zu erkunden und darüber hinaus mit zahlreichen Zusatztools z. B. das Gewässernetz, die Bodenbedeckung, Grafiken zu Geologie, Natur und Wirtschaft usw. darzustellen. Die einzelnen Karten können ausgedruckt oder gleich als E-Mail verschickt werden.

Das beste Tool meines Erachtens ist jedoch die massstabgetreue Einbindung der Dufour- und Siegfriedkarten, welche mit einer stufenlosen Opazität über die heutigen Karten gelegt werden können. So sind im Handumdrehen Einblicke in unsere vergangene Landschaft um 1880 und 1890 möglich, mit direktem Vergleichen zu Heute, welche die massiven topografischen Veränderungen aufzeigen. Viele von uns Beobachterinnen und Beobachter kennen das Vorarlberger Rheindelta noch, als die Rheinmündung wenige hundert Meter nördlich des heutigen Parkplatzes war. Einige wenige unter uns mögen sich noch an die Zeit um Ende der 1950er Jahre erinnern, als das Harder Binnenbecken noch in Planung war und der Alpenrhein sein Delta ungehindert entstehen lassen konnte.

Der Rheinspitz um 1880 und heute (Quelle: http://map.geo.admin.ch)
map.geo.admin Einstiegseite

Die Karte des Vorarlberger Rheindeltas zeigt um 1880/1890 noch den Alpenrhein, wie er am Rheinspitz sein Mündungsgebiet hatte und die Dornbirner Ache noch durch Fussach floss! Im  Jahre (1892-) 1900 erfolgte der «Fussacher Durchstich», mit einem in exakt nördlicher Richtung gelegten Kanal, an dessen östlicher Seite auch der Lauf der Dornbirner Ache gelegt wurde. Dort, wo heute der Alte Rhein nur noch als träge fliessender, mit Motorbooten und Jachten belegter Fluss erlebt wird, zeigt die Siegfriedkarte um 1880 einen kräftigen Strom mit natürlichen, im Wechsel entstandenen Kiesinseln!

Der Zugang zu den Dufour- und Siegfriedkarten ist wie folgt zu finden: In Spalte links auf www.map.geo.admin.ch wird in der Reihenfolge «Basisdaten» und dann «Geografische Bezeichnungen» gewählt (siehe Bild links). Dort lassen sich dann die gewünschten historischen Karten anwählen. Mit der Maus lässt sich die Opazität (Abdeckung) stufenlos verstellen.
Weiterführende Links zum Thema:
Topografische Karte der Schweiz (Dufourkarte)
Topografischer Altlas der Schweiz (Siegfriedkarte)
Fussacher- und Diepoldsauer Durchstich