Von heimziehenden Blaukehlchen und einem möglichen Lannerfalken bei Moos

Luscinia svecica cyanecula ♂ — 26.03.11, Moos (Foto S. Trösch)

Seit rund zehn Tagen ist im Bodenseegebiet und in der Region Schaffhausen der Vogelzug zunehmend spürbar, mit vielen heimkehrenden, am Boden rastenden oder ziehenden Vögeln. Mit dem Abklingen der starken, und frischen Windströmung aus NE (Bise) anfangs dieser Woche nahm der sichtbare Vogelzug zu und gipfelte z. B.  in der Region Schaffhausen am Mittwoch, 23.03.11. Auf dem „Galgenbuck“ bei Neuhausen erfasste ich an diesem Tag von 06:30 bis 15:45 Uhr z. B. 8 Schwarzstörche,  rund 9’500 Ringeltauben, 26 Schwarzmilane, 3 Fischadler, 6 Rohr- und eine Kornweihe, 15 Sperber sowie rund 19’000 Buchfinken. Auch im Vorarlberger Rheindelta gab es interessante Beobachtungen, so z. B. mind. 119 Goldregenpfeifer und 8 Kraniche am 19.03.11 (Nikolai Orgland) und in den letzten Tagen wurden an mehreren Stellen am Bodensee Seltenheiten wie z. B. Sumpfohreule, Stelzenläufer, Säbelschnäbler gesehen . Im Schaffhauser Klettgau haben mehrere Schwarzkehlchen und Grauammern ihre Reviere in den ökologischen Ausgleichsflächen seit einer Woche besetzt und in der Stadt Schaffhausen sind am 22.03.11 die ersten Alpensegler eingetroffen (Martin Roost).

Weisssterniges Blaukehlchen Luscinia svecica cyanecula — 26.03.2011, Moos / Radolfzeller Aachmündung — Video: Stephan Trösch (Bei Vollbild bitte HD wählen).

Blaukehlchen 26.03.11 Moos from Stephan Trösch on Vimeo.

Die jetzt heimziehenden Blaukehlchen profitieren am Bodensee vom günstigen Wasserstand (Pegel Konstanz am 26.03.2011 = 284cm) und sind jetzt an einigen Stellen zu sehen, besonders an der Radolfzeller Aachmündung, wo sich seit einer Woche 1-4 Ind aufhalten.

Unbestimmter Falke bei Moos am 26.03.11 (Foto S. Trösch)
Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“, Moos, 26.03.11 (Foto S. Trösch)

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“?
Heute Samstag, 26.03.11, wurde an der Radolfzeller Aachmündung ein Falke beobachtet, mit folgenden Grobkennzeichnung: Greifvogel vom Typ „Lannerfalke“, Falco biarmicus, ggf. auch junger Wanderfalke ssp. „calidus“. Am Boden kräftig wirkender Falke mit auffallend langen, hellen, sandfarbenen Hosen, allgemein hellbrauner Erscheinung mit auffäligem, durch schwarzen Bartstreif und Augenbinde kontrastreichem Kopf und hellem Scheitel. Schwanz gleich lang wie Flügel. Im Flug ähnlich Wanderfalke, jedoch „schwerfälliger“ wirkend. Trägt weder Geschüh noch Ring. Kommentare zu diesem Vogel sind hier erwünscht.

(Sämtliche Beobachtungsangaben, ausser diejenigen des Autors, ohne Gewähr, Quelle www.ornitho.ch)

Vorarlberger Rheindelta: Neue Einsichten in die Fussacher Bucht

Neuer Beobachtungssteg in der Fussacher Bucht, 16.03.2011 (Foto S. Trösch)

Die ältere wie jüngere Ornithologen-Generation wird im Vorarlberger Rheindelta seit jeher eine geeignete Beobachtungsplattform vermisst haben. Und was angesichts der sensiblen Naturschutzsituation mit den verschiedensten Nutzungs- und Interessenkonflikten in diesem weitläufigen Gebiet kaum jemand für möglich gehalten hätte ist nun eingetroffen: in der inneren Fussacher Bucht (etwa 500m westlich des Schöpfwerkes Fussach) wurde in diesen Märztagen mit dem Bau eines Steges mit anschliessender Beobachtungsplattform begonnen. Die Arbeiten scheinen nahezu abgeschlossen. Am Tag der Foto- und Videoaufnahmen (16.03.2011) wurde mit Schilfmatten ein erster Sichtschutz angebracht. Weitere werden wohl noch folgen.

Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass diese neue Beobachtungseinrichtung an einem der besten Plätze im Rheindelta entstanden ist, gleichwohl auch in einem sensiblen Brutgebiet für die verschiedensten Schilfbewohner. Es sind deshalb alle Besucherinnen und Besucher dieser Plattform angehalten, die bestehenden Vorschriften zur Begehung der Schutzzonen im Rheindelta zu beachten. Die Plattform darf keinesfalls verlassen werden. Auch dürfen die Streuwiesen abseits des Steges und des Zuganges nicht betreten werden.

Allen Personen, Institutionen und lokalen Behörden, welche den Bau dieses Beobachtungssteges unterstützt, ermöglicht und finanziert haben, sei ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.

Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet Nr. 199 erschienen

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee hat vor kurzem ihren 199. Ornithologischen Rundbrief für das Bodenseegebiet herausgegeben. Der 24 Seiten umfassende und mit zahlreichen Fotos bestückte Bericht beginnt mit einer Zusammenfassung der Referate und Vorträge an der Jahresversammlung vom November 2010, enthält einen Überblick zum Stand des bodenseeweiten Brutvogelkartierungsprojektes 2010/2011 und behandelt anschliessend die wichtigsten Vogelbeobachtungen vom Herbst / Wegzug 2010. Aus den Kommentaren und Ergebnissen wird ein schwacher Limikolenzug ersichtlich, umgekehrt gab es einen kleinen und vielbeachteten Einflug von Spornammern. Zu den weiteren Raritäten des Herbstes zählen z. B. mehrere Raubmöwen (u. a. Skua), Thorshühnchen, Spornpieper und Berghänfling. Der Rundbrief kann nachstehend als pdf-Datei heruntergeladen werden.

OR 199 Herbst 2010 ↓↓ (1,38 MB)