Aktuell starker Durchzug des Bruchwasserläufers (Tringa glareola) im Bodenseegebiet

Bruchwasserläufer, Teile eines Trupps mit 82 Ind., 25.04.2011, Moos (Foto S. Trösch)

Seit Wochen ist kaum mehr Regen gefallen, die Pegel der Flüsse und Seen sind am Sinken und in den landwirtschaftlichen Kulturen muss künstlich bewässert werden, was für den April sehr selten ist. Der Wasserstand am Bodensee steht derzeit bei 282cm (Pegel Konstanz), was im ganzen Seegebiet freigesetzte Uferstellen mit Schlick, Schlamm oder Kies bedeutet – ideale Bedingungen für rastende Limikolen. Aus den täglich aktuellen Beobachtungsmeldungen in www.ornitho.ch kann z. B. der Zug verschiedener Watvogelarten verfolgt werden, so auch beim Bruchwasserläufer Tringa glareola. Diese Art zieht regelmässig durch das europäische Binnenland. Am Bodensee verläuft der Heimzug im Frühjahr gegenüber dem Herbstzug wesentlich schwächer. Die neueren Maximalwerte für das Bodenseegebiet lagen bisher bei 52 Ind. am 25.04.1985 an der Radolfzeller Aachmündung, 35 Ind. am 4.5.1987  im Vorarlberger Rheindelta, 32 Ind.am 10.05.1989 im Eriskircher Ried  und 38 Ind. 03.05.1990 im Ermatinger Becken. Die Höchstzahlen im Herbst liegen bei 81 Ind. am 02.03.1983 im Wollmatinger Ried und 72 Ind. am 28.08.1990 im Rheindelta (HEINE, JACOBY, LEUZINGER & STARK, 1999, Die Vögel des Bodenseegebietes, S. 436).

Heimzug 2011 des Bruchwasserläufers per 25.04.2011 in der Schweiz (Quelle: http://www.ornitho.ch)

Der Heimzug 2011 des Bruchwasserläufers begann am Bodensee anfangs April mit einzelnen Ind. und setzte sich in den Folgetagen unauffällig fort. Am 18.04.2011 gab es mit 27 Ind. an der Radolfzeller Aachmündung den ersten grösseren Trupp (H. Reinhardt), mit einem zunehmenden Verlauf in den folgenden Tagen und dem verstärkten Auftreten an verschiedenen Stellen. Die nebenstehende Karte zeigt die Verteilung der aktuell heimziehenden Bruchwasserläufer anhand der Zufallsdaten in www.ornitho.ch.

Gemäss www.ornitho.ch ergeben sich für das Bodenseegebiet beim Bruchwasserläufer aktuell folgende Zahlen:

19.04.2011 = 47 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (drei Orte)
21.04.2011 = 78 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
22.04.2011 = 201 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
23.04.2011 = 285 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
24.04.2011 = 305 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (max. 105 Ind. im Eriskircher Ried)

Diese grossen Rastgesellschaften sind für das Frühjahr aussergewöhnlich.

» Information über den Bruchwasserläufer (in Wikipedia)

Flughafen Zürich — Erstaunliche Vielfalt auf kleinem Raum neben Landepiste 14

Flughafen Zürich mit Landepiste 14 und Zuschauerplatz und dem kleinen Biotop in Bildmitte (S. Trösch, 22.04.11)

Der Flughafen Zürich Kloten [ausführliche Info in Wikipedia] entstand in den Jahren 1946-1948 mitten in einem ehemaligen Sumpf- und Riedgelände, wurde bis heute in mehreren Etappen weiter ausgebaut und gilt als der wichtigste Personen- und Güterumschlagplatz der Schweiz. Verschiedene Rad- und Fusswege führen um das grosse, eingezäunte Flughafengelände, auf der Ostseite auch durch naturnahe Habitate oder kleinere Naturschutzgebietze, welche als Kompensation für den Pistenausbau errichtet wurden. Bei den Landepisten 14 und 16 sind zwei Zuschauerplätze entstanden. Zum ersten Mal Mitte April 2011 ornithologisch in dieser Gegend unterwegs schaute ich zuerst gebannt auf die Landung eines Airbus A380 der Singapore Airlines, um dann am 22.04.2011 auf einer Fläche von 72ha mit Feuchtstellen, Gräben und Büschen entlang der östlichen Flughafenabgrenzung z. B. mind 26 singende Nachtigallen zu erfassen.

Erstaunlich zudem, was sich gleichentags auf einer 2,3ha kleinen Feucht- und Ruderalfläche 150m neben der Landepiste 14 und dem Zuschauerplatz beobachten liess: unter den rund 25 Vogelarten waren u. a. 4 Grauammern (2 revieranzeigende Paare), 4 rastende Ortolane (eine singend, siehe Videoclip), eine Rohrammer und 6 Goldammern, ferner 2 Nachtigallen, 1 Feldschwirl und ein Teichhuhn. Erstaunlich, dass sich die Vögel vom grossen Lärm der minütlich anfliegenden Flugzeuge kaum ablenken lassen, Rotmilane und Turmfalke wie gelassen neben den Flugzeugen im Aufwind stehen.

↓↓ Natur_und_Landschaft am Flughafen Zürich (pdf, 0,61 Mb)

Ortolan / Landepiste Airport Zürich from Stephan Trösch on Vimeo.

Video mit Diciscoping vom 22.04.2011 in Bachenbülach ZH

Singender Ortolan am 22.04.2011 neben der Landepiste 14 des Flughafens Zürich. Der leise Gesang geht neben singenden Nachtigallen und dem Lärm landender Flugzeuge fast unter (Videoclip per Digiscoping, S. Trösch).

Im Wollmatinger Ried — Der «Gottlieberweg» lädt zum Verweilen und Beobachten ein.

Das grösste und bekannteste Naturschutzgebiet im Bodenseegebiet ist das Wollmatinger Ried. Es liegt westlich der Stadt Konstanz und erstreckt sich vom Stadtrand Konstanz rund 4 Kilometer in nordwestliche Richtung bis Hegne. Die Strasse zur Insel Reichenau mit ihrer markanten Pappelallee trennt das Gebiet zwischen dem Ermatinger Becken und dem Gnadensee mit der Hegnebucht. Das 767 ha grosse Naturschutzgebiet unterliegt strengen Schutzrichtlinien und kann nur unter fachkundiger Leitung besucht werden. Im Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried, das im ehemaligen Bahnhof Reichenau untergebracht ist, finden BesucherInnen und Interessierte eine permanente Ausstellung über Fauna und Flora des Wollmatinger Riedes, das als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung zählt und neben anderen Auszeichnungen 1968 auch das Europadiplom verliehen erhielt.


Tagpfauenauge am Gottlieberweg an einem Sonntag mit über 20°C, 03.04.2011 (Foto S. Trösch).

Gottlieberweg mit morgendlichem Nebel, 03.04.2011 (Foto S. Trösch)

Öffentlich zugänglich und einen guten Einblick in das Gebiet bietend ist der rund 1,2km lange, in SW-NE-Richtung verlaufende „Gottlieberweg“ mit Ausgangspunkt bei der Kläranlage Konstanz. Er führt entlang des Klärkanals und der Riedwiesen bis zum Seerhein gegenüber Gottlieben und kann sowohl bequem zu Fuss begangen als auch mit dem Fahrrad befahren werden. Mehrere farbige Informationstafeln entlang des Gottlieberweges klären Spaziergänger und an der Natur Interessierte über die Tier-, Vogel- und Pflanzenwelt im Ried auf. Sie fördern auch das Verständnis zur Entstehung des Wollmatinger Riedes mit seinen Besonderheiten.

Auskunft über öffentliche Führungen im Wollmatinger Ried geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NABU Zentrums Wollmatinger Ried.

NABU-Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried
Kindlebildstr. 87, D-78479 Reichenau
Tel. +49 (0)7531 – 78870
Kontakt: NABU@NABU-Wollmatingerried.de

Öffnungszeiten
Mo – Fr: 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr.
Sa – So/Feiertag: 13.00 – 15:30 Uhr (April – September; nach Vereinbarung von Oktober bis März)
» NABU Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried
» Beobachtungsinformationen für das WollmatingerRied (Birding Germany)
» Das Wollmatinger Ried in facebook
» Ausführliche Informationen zum Wollmatinger Ried in Wikipedia


Übersichtskarte des Wollmatinger Riedes und des Ermatinger Beckens (Quelle: map.geo.admin.ch)
1 = Ausgangspunkt zum Gottlieberweg bei der Klär- und Werkanlage Konstanz
2 = Gottlieberweg
3 = NABU Naturschutzzentrum Wollmatinger Ried im ehemaligen Bahnhof Reichenau
4 = Beobachtungsplattform auf der Ruine Schopflen, Reichenaudamm
5 = Beobachtungspunkt im Strandbad Triboltingen


Nahe des Gottlieberweges liegt ein künstlich angelegter Wiesenteich, der währen den Zugzeiten gerne von Limikolen aufgesucht wird. Die Informationstafeln beschreiben seinen Nutzen und Wirkung.

Schmucke und informative Wegweiser entlang des „Gottlieberweges“ im Wollmatinger Ried.


Blick vom Gottlieberweg in die Riedwiesen mit Schottischen Hochlandrindern, 19.10.2010 (Foto S. Trösch)

Das Ermatinger Becken mit Blick zum Reichenaudamm mit der Ruine Schopflen in Bildmitte. Auf den Resten des mittelalterlichen Bauwerks wurde eine Beobachtungsplattform errichtet, die eine gute Sicht beidseits des Dammes bietet. Im Winterhalbjahr können von hier aus die eindrücklichen Wasservogelscharen oder die Schlafplätze vom Grossen Brachvogel und von Grossmöwen beobachtet werden (Foto S. Trösch, 26.12.2010).


Blick von der Beobachtungsplattform auf der Ruine Schopflen ins Ermatinger Becken und dem Wollmatinger Ried auf der linken Bildseite. In Bildmitte rechts der Thurgauer Seerücken oberhalb Ermatingen-Triboltingen (Foto S. Trösch, 18.12.2010).

Die Beobachtungsplattform auf der Ruine Schopflen bietet auch einen ausgezeichneten Blick in den Gnadensee mit der Hegnebucht im Vordergrund. In Bildmitte die Ortschaft Hegne mit dem Bodanrücken im Hintergrund. Zwei Informationstafeln auf der Plattform vermitteln Wissenswertes.