Warme Herzen beim nasskalten Bird Race 2012

Das Schaffhauser Team „Nordwind“ am Bird Race im Rheindelta

Am 22. Bird Race Switzerland, organisiert von BirdLife Switzerland/Schweizer Vogelschutz, nahmen am 31.08./01.09.2012 28 Teams aus der ganzen Schweiz teil. Ab 21:00 Uhr galt es während 24 Stunden soviele Vogelarten wie möglich zu entdecken und das alles mit Fahrrädern, zu Fuss und öffentlichen Verkehrsmitteln. Gefragt waren eine günstige Strategie, Teamgeist und eine möglichst vielfältige Biotopwahl.

Das Schaffhauser Team „Nordwind“, mit Pascal Parodi, Martin Roost und Stephan Trösch,  wählte als Ausgangspunkt die Voralp oberhalb Grabs auf rund 1200m Höhe. Die Anreise erfolgte während des Nachmittags, die Fahrräder wurden bei einem Zwischenhalt in St. Margrethen deponiert. Während des Abends und vor allem in der Nacht regnete es wie aus Kübeln. Es wurde deshalb auf eine erste Abendtour um 21:00 Uhr verzichtet. Um 04:00 Uhr war Tagwache, doch der Regen liess erst eine Stunde später nach, was berechtigte Hoffnungen weckte. Im  selben Gasthaus hatte sich auch das Team „Natrix – die Pubertierenden“ mit Jakob Hochuli, Nikolai Orgland und Merlin Hochreutener einquartiert, eine ernst zu nehmende „Konkurrenz“ mit kompetenten Jugendlichen aus der Region, die zudem BirdRace-Erfahrung hatten. Sie wählten von der Basis Voralp aus eine etwas andere Route als das Nordwind-Team, jedoch beide mit dem Zwischenziel Wildhaus.

Das Team“ Natrix – die Pubertierenden“ erreichte den guten 10. Schlussrang.

Tatsächlich sollte es an diesem Tag nicht mehr regnen. Dennoch zeigte sich die Landschaft bei Racebeginn ab 06:00 Uhr wolkenverhangen, neblig und trüb-nass. Ein leicht ansteigender Weg führte uns alsbald auf rund 1450m Höhe. Der erste beobachtete Vogel war ein Gimpel. Wir folgten anschliessend der 1500m-Höhenlinie über Alpweiden mit lockerem Baumbestand und durchquerten auf einer Strecke von 1km einen phantastischen Urwald mit viel Totholz und Feuchtstellen. Leider zeigten sich hier weder Dreizehenspecht noch Sperlingskauz, umgekehrt bemerkten wir zuvor noch rechtzeitig ein auffliegendes Birkhuhn. Auf der Höhe des Hochmoores „Gamperfin“ erreichten wir wieder einen befestigten Weg, der uns über den „Ölberg“ und das „Älpli“ zur Sesselbahn Oberdorf führte. Wildhaus erreichten wir wenige Minuten später, wo die pubertierenden Natrixler bereits eine halbe Stunde zuvor eintrafen und von hier aus einen Fischadler sahen – super!

Unterwegs oberhalb Gamperfin

Gegen Mittag trafen wir mit dem Bus in Buchs SG ein und wechselten gleich auf den Zug Richtung St. Margrethen. Von hier aus starteten wir zur Rheindeltaexkursion, von der wir angesichts der herbstlichen Wetterlage einige interessante Bedobachtungen versprachen. Unsere drei jungen Freunde waren mit demselben Ziel unterwegs, allerdings mit Start von Rheineck aus. In Höchst gelang es uns tatsächlich eine Türkentaube auf einer der Fernsehantennen zu entdecken, während der Zugfahrt durch das Rheintal übrigens auch der einzige Rotmilan an diesem Tag. Mit den Fahrrädern erreichten wir rasch den Ortsrand bzw. das Höchster Ried, später den Rohrspitzgrund, den Rohrspitz und die Fussacher Bucht. Rund 470 Grosse Brachvögel hatten es verdient ausgiebig beobachtet zu werden und mit Glück entdeckten wir unter ihnen eine Pfuhlschnepfe sowie Bekassine. Ein Blick in die Fussacher Bucht zauberte 3 Raubseeschwalben hervor, ehe wir Richtung Rheinmündung am linken Damm entlang radelten. Dort ging es fast Schlag auf Schlag: Blaukehlchen, 2 Säbelschnäbler, Sanderling, Steinwälzer, Sandregenpfeifer und später 5 fliegende Knutts sorgten innert Minuten für einen Höhepunkt. Eine weitere Raubseeschwalbe liess sich blicken und ein Regenbrachvogel mahnte uns mit seinem Ruf zum Aufbruch.

Sanderling am Spülsaum des Alpenrheins, 01.09.12 (Foto S. Trösch)

Die Zeit verging wie im Flug. Mittlerweile trafen auch die jungen Natrixler am Rheinkanal ein. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Scorelist auf 95 Arten gebracht, unser Zwischenergebnis war unbekannt. Um etwa 18:30 Uhr radelten wir zurück, nicht ohne in der inneren Fussacherbucht noch fünf Arten zu „klopfen“ (Löffelente, Tafelente, Moorente,  Schwarzmilan, Teichrohrsänger). Gegen 20 Uhr erreichten wir das Rheinholz, 50 Minuten später sollte bereits der Zug ab Rheineck fahren. Trotzdem fuhren wir in flotten Tempo zum Rheinspitz, „holten“ unterwegs die erhoffte Singdrossel und um 20:25 Uhr als letzte neue Art eine Heringsmöwe im Wetterwinkel. In Windeseile ging es nun mehrere Kilometer durch den dunklen Wald und dem Alten Rhein entlang nach Rheineck, wo wir im Zug Richtung Schaffhausen bei Käse, Brot und Bier auf ein eindrückliches BirdRace mit schönem Teamgeist anstiessen. Mit 105 beobachteten Arten erreichten wir den 11. Schlussrang – die pubertierenden Natrixler hatten uns also mit 108 Arten und dem 10. Schlussrang den Meister gezeigt. — Weitere Infos: Bird Race 2012 bei BirdLife Switzerland

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