Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet Nr. 217 erschienen

Titelseite OR 217Mitte September 2015 gab die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) ihren 217. Rundbrief heraus, mit dem Bericht über das Frühjahr 2015. Auf 20 Seiten, die wiederum reich mit schönen Vogelaufnahmen aus der Bodenseeregion bebildert sind, hat das Redaktionsteam die Beobachtungen von zahlreichen Vogelarten kommentiert. Erwähnt sind ferner auch einige Seltenheiten wie z.B. Steppenweihe, Blauracke, Rötelschwalbe, Weissbartgrasmücke und Zitronenstelze. Mit schönen Bildern wird der eindrückliche Schlafplatzflug des Staren im Wollmatinger Ried dokumentiert. Rund 300’000 Individuen wurden geschätzt.

↓↓ OR 217 Frühling 2015

Amerikanische Krickente am Bodensee (bei Arbon-Steinach)

Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)
Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute Sonntag, 18.01.2015, fanden am Bodensee die internationalen Wasservogelzählungen statt. Zu meiner bisherigen Zählstrecke am Schweizer Obersee (Münsterlingen-Uttwil, „Seetaucherstrecke“) habe ich seit Ende letzten Jahres noch die Anschlussstrecke Uttwil bis Romanshorn übernommen. Am Vormittag wehte ein leichter Nordostwind (Bise), der mittlere Wellen erzeugte. Die Sicht war ab etwa 1,5km Distanz nicht mehr gut. Aus diesem Grund waren die Ergebnisse beim Haubentaucher mit 375 Ind. und Prachttaucher mit 22 Ind. tief. Bei letzterer Art wurden zwei Tage zuvor 55 Ind. erfasst. Bei Uttwil konnten in grösserer Entfernung mind. 12 Samtenten ausgemacht werden. Meeresenten zeigten sich in diesem Winter bisher sehr sparsam. Hier zudem die „obligate“ adulte Heringsmöwe sowie eine schwach gelbfüssige adulte Silbermöwe, die wahrscheinlich nicht zur ssp. „omissus“ zugeordnet werden kann. Bei Romanshorn am Rande eines grösseren Schwarzhalstauchertrupps (ca. 120 Ind.) waren sehr schön 2 Ohrentaucher zu sehen und im Hafenbecken bzw. bei der Werft – neben einem Flussuferläufer – mehrere Steppenmöwen.

Unterwegs traf ich die Schweizer Ornithologen Manuel Schweizer und Paul Walser, denen ich dann an weiteren Beobachtungsorten nochmals begegnete. In Steinach beobachteten wir gemeinsam Grossmöwen (u.a. 4 Silbermöwen und mind. 20 Steppenmöwen) als Manuel plötzlich eine Amerikanische Krickente (Green-winged Teal /Anas carolinensis) entdeckte. Das war eine grosse Überraschung! Das Männchen im 2.KJ ruhte neben einigen Krickenten am Schlickrand rechts der Aachmündung und konnte aus der Nähe beobachtet werden. Sie war unberingt. Es ist gut möglich, dass sich dieser sehr seltene Gast noch einige Zeit hier aufhalten wird.

Offenbar gab es heute, gemäss einer Meldung in http://www.ornitho.de, auch eine Beobachtung dieser Art an der Donau (Auengewässer, Riedlingen). Für die Schweiz ist dies der 2. Nachweis nach der Erstbeobachtung von 2000.

Im „Der Ornithologische Beobachter“ 2016|113|61 erschien ein ausführlicher Bericht über diese Entdeckung (Schweizer M. et al., 2016). Download nachstehend.

OrnitholBeob_2016_113_61_Schweizer [hinzugefügt am 28.07.2017].

Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)
Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)

 

 

Schelladler „Tore“ am Bodensee

Schelladler „Tore“, 1.KJ, 24.11.12, Rheindelta, Austria (Foto S. Trösch)

Internet und GPS ermöglichen es, besenderte Vögel auf ihrem Zug in die Winterquartiere nahezu live begleiten zu können. Auf der Website von http://birdmap.5dvision.ee/index.php?lang=de können gleich bei mehrere Arten, wie Fischadler, Schwarzstorch, Kranich, Schell- und Schreiadler sowie Seeadler deren Zugwege verfolgt werden. Die meisten der im Baltikum beringten und besenderten Vögel haben eine südliche Zugroute in Richtung Griechenland/Türkei eingeschlagen. Der bekannte Schelladler „Tönn“ weilt derzeit im Südosten Spaniens, während es der andere Schelladler „Tore“ noch nicht über Mitteleuropa hinaus geschafft hat und aktuell (25.11.2012) am Bodensee zu sehen ist.

Schelladler „Tore“, 1.KJ, Zugbewegungen seit 27.09. – 24.11.2012

Der junge Schelladler „Tore“ startete seine Mission am 27.09.2012 mit dem Aufbruch in Estland. Er umflog grosszügig den Golf von Riga (Lettland), befand sich am 05.10.12 über Littauen, streifte dann die weissrussische Grenze und flog um den 15.10.12 in polnisches Territorium ein, das er eine Woche später Richtung Deutschland verliess. Um den 01.11.12 war Tore bei Nürnberg zu sehen, eine Woche später im Raum Augsburg, ehe am 16.11.12 das GPS-System seine Position im Bereich der Calandaspitze (2600m) bei Chur/Schweiz meldete. Tore zog es vor, danach wieder zurückzufliegen – er wurde ab dem 20.11.12 im St. Galler Rheintal (Schweiz) bei Oberriet erstmals terrestrisch entdeckt, die Tage darauf mit einer nordwärts gerichteten Bewegung bis Heerbrugg am 23.11.12, unmittelbar an der Grenze zu Österreich bei Lustenau und 12km vom Bodensee entfernt.

Am 24.11.12 wurde der Schelladler um 10:00 Uhr bei der Kirche Heebrugg fliegend gesehen, um 11:30 Uhr dann am Bodensee östlich der Alpenrheinmündung wiederentdeckt. Tore verweilte dann den ganzen Nachmittag auf einer Sandbank an der Mündung der Bregenzer Ache (Austria) und frass an einem Fischkadaver. Inzwischen konnten mehrere Beobachter den seltenen Greifvogel beobachten und bestätigen. Vorläufige Zwischenmeldung: am 25.11.12 wurde Tore erneut an der Bregenzer Achmündung (Rheindelta, Austria) gesehen.

Nachstehendes Video und Fotos von Stephan Trösch (24.11.12, Vorarlberger Rheindelta, Austria)

Schelladler „Tore“ im Vorarlberger Rheindelta from Stephan Trösch on Vimeo.
Aufnahmedatum 24.11.2012 / Diciscope