6 Spechtarten im Staffelwald bei Ramsen SH

Feuchtstelle im Staffelwald, 06.04.2010 (Foto S. Trösch)

Heute Vormittag erfasste ich im Rahmen der Brutvogel-Rasterkartierung Bodensee alle singenden und revieranzeigenden Vögel im Staffelwald (Grenzgebiet Gailingen BW – Ramsen SH). Der in den letzten Jahren mit vielen Massnahmen aufgewertete Mischwald gefällt mit seinen Eichenbeständen und v. a. mit den geschaffenen Feuchtbiotopen. Die Kartierung fand bei schönem Frühlingswetter und frischen Morgentemperaturen statt und hinterliess bei mir einen nachhaltigen Eindruck, sowohl bezüglich der vielfältigen Waldlandschaft, der Wanderung entlang den Landes-Grenzsteinen als auch hinsichtlich der Vogelfülle. Gut vertreten waren Kleiber, Zilpzalp, Rotkehlchen, Buchfink und Zaunkönig wie auch z. B. die Heckenbraunelle.

Überrascht war ich dann aber, als ich nach 3½ Stunden Begehung 6 Spechtarten beobachten, singen oder trommeln hören konnte: 9 Buntspechte, 5 Mittelspechte, 1 Kleinspecht, 1 Grauspecht, 2 Grünspechte und 1 Schwarzspecht. Dies hat mich hoch erfreut und darf als Geschenk für die grossen Aufwertungsbemühungen verstanden werden.

Mittelspecht, 25.03.2007, Neuhausen a.Rhf. (Foto S. Trösch)

4. Brutvogelkartierung im Bodenseegebiet angelaufen

Nach 1980-1981, 1990-1992 und 2000-2002 werden in den Jahren 2010/2011 zum vierten Mal im gesamten Bodenseegebiet auf rund 1200 km² die Brutvögel kartiert. Unter der aktiven Mitwirkung von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) ist jetzt Ende März mit der Erfassung von singenden Vögeln begonnen worden, mit weiteren vier Begehungen/Erfassungen bis Ende Mai/anfangs Juni. Die Methodik basiert auf der Erfassung aller revieranzeigenden Vögel innerhalb eines 2x2km grossen Quadrates (Linientaxierung), in dem nach fünf Kartierungsgängen (März-Mai) alle Biotope und rund 50% der Gesamtfläche von 4 km² erfasst worden sind. Der Bestand jeder registrierten Vogelart wird danach auf die Gesamtfläche hochgerechnet, wobei auf die unterschiedlichen Reviergrössen, das relative Vorkommen in Biotopen und die Gesangsintensität der einzelnen Arten geachtet werden muss.

Die Ergebnisse der Kartierungen 1980-81 und 1990-92 wurden in den Avifaunen „Die Vögel des Bodenseegebietes“ (SCHUSTER et al. 1983, und HEINE et al. 1998/1999) veröffentlicht. Die Ergebnisse der letzten Kartierung in den Jahren 2000-02 mit der Auswertung von über 150 Brutvogelarten wurde in einem 167-seitigen pdf-Dokument auf der Website der OAB veröffentlicht und kann am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden.

Nachstehend die Ergebnisse der Kartierung 2000-2002 von vier ausgewählten Arten:

Fazit ist, dass sich die Langstreckenzieher (wie z. B. Waldlaubsänger, Fitis, Gelbspötter, Feldschwirl) weiterhin aus dem Bodenseegebiet zurückziehen, Offenlandvögel weiterhin z. T. dramatische Bestandeseinbussen erlitten und Bodenbrüter (wie z. B. Feldlerche und Fitis) in den meisten Fällen rückläufige Bestände aufweisen. Andere Arten, wie z. B. die Mönchsgrasmücke (Kurzstreckenzieher, Baumbrüter) haben signifikant zugenommen, während die Gartengrasmücke (Langstreckenzieher, Baumbrüter) rückläufig ist. Überraschend ist ferner der drastische Bestandesverlust beim Haussperling, der bis anhin häufigsten Vogelart im Bodenseegebiet.

Die 4. Brutvogelkartierung wird nun – nach zehn Jahren wieder – aufzeigen, inwiefern und bei welchen Arten Veränderungen eingetreten sind.

↓↓ Brutvogelatlas Bodensee 2000 (pdf-Datei, 4.91 Mb)