Mauserplätze für Wasservögel am Bodensee: zum Beispiel Moos

Der Bodensee ist nicht nur ein wichtiges Überwinterungsgewässer sondern ist auch für mehrere Tausend Wasservögel Rückzugsgebiet während ihrer Mauser. An einigen der wenigen geschützten Stellen, wie z.B. an der Radolfzeller Aachmündung können Trupps mausernder Wasservögel gut beobachtet und studiert werden. Das schlichte Kleid der Enten steht jetzt im Gegensatz zum farbigen Prachtkleid. Die Bestimmung vieler Arten ist jetzt nicht selten eine Knacknuss. Erwähnt seien beispielsweise die Unterschiede zwischen schlichten Schnatter- und Stockenten. Teilnehmende an den Sommer-WVZ der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) müssen da sattelfest sein, wenn nicht nur die Bestimmung gelingen muss, sondern auch die Feststellung des Mauserzustandes. Nicht alle Wasservogelarten mausern zur selben Zeit. Das nachstehende Merkblatt gibt darüber Auskunft.

Mausererfassung-Merkblatt

Dieser Stockenten-Erpel ist im Moment nicht mehr flugfähig | Moos, Bodensee, Baden-Württemberg | 2017-07-12
Stockenten- oder Schnatterente ? – während der Mauserzeit eine kleine Knacknuss | Moos, Bodensee, Baden-Württemberg | 2017-07-12
Viele Blässhühner sind jetzt ab Mitte Juli in Schwingenmauser | Moos, 12.07.2017
Rostgans | Derzeit halten sich über 900 mausernde Individuen bei Moos auf. Eine neue Höchstzahl.

Ein Gelbschnabeltaucher am Bodensee

Gelbschnabeltaucher 2Y, 12.02.2012, Uttwil TG (Digiscope S. Trösch)

Zum Abschluss der monatlichen Wasservogelzählung auf der «Seetaucherstrecke» zwischen Münsterlingen und Uttwil gelang mir heute Sonntag, 12.02.2012, kurz nach 14:00 Uhr die Entdeckung eines GELBSCHNABELTAUCHERS (2. KJ) Gavia adamsii. Der sehr seltene Wintergast tauchte zusammen mit einem Prachttaucher Gavia arctica in etwa 250m Entfernung zum Schiffsteg Uttwil TG.  Mit dem ersten Blick durchs Fernglas sah ich zunächst einen sehr grossen Seetaucher und mit dem Fernrohr erkannte ich zweifelsfrei diese Art – eine persönliche Erstbeobachtung, der 7. Nachweis für das Bodenseegebiet (nach zuletzt 2002) und für die Schweiz erstmals wieder nach 1996 (MAUMARY et al.,  Die Vögel der Schweiz, 2007).

Gelbschnabeltaucher 2Y, 12.02.2012, Uttwil TG (Digiscope S. Trösch)

Auffällig waren der gelbliche und aufwärts gerichtete wuchtige Schabel, mit einem auffällig gewinkelten Unterschnabel. Neben dem bräunlich-verwaschenen Körper waren auch der helle Kopf, der dunkel verwaschene Ohrfleck und die helle Halshinterseite auffällig. Der Vogel tauchte jeweils mind. 100m (!) und entzog sich so fast der Beobachtung. Um 14:40 Uhr konnte ich den Vogel weiter nordwestlich vor dem 2km entfernten Kesswil beobachten und um 15:30 Uhr 3km seeabwärts vor Güttingen (zusammen mit Manuel Schweizer).

Möglicherweise handelt es sich um denselben Gelbschnabeltaucher, der sich vom 08. bis 10.02.2012 in Norditalien aufhielt. Der erkennbare Überbiss beim Schnabel ist auch auf einem Foto aus Italien zu sehen, siehe http://www.ornitho.it/index.php?m_id=54&mid=34251 (Dank an Stefan Werner für den Hinweis).

Gelbschnabeltaucher, 13.02.2012, Uttwil (Digiscope S. Trösch)
Gelbschnabeltaucher 2Y, 16.02.2012, Arbon TG (Digiscope S. Trösch)
Gelbschnabeltaucher 2Y, 18.02.2012, Arbon TG (Digiscope S. Trösch)

 

Gelbschnabeltaucher, 18.02.2012, Arbon (Videoclip von Stephan Trösch)

 


Die bisherigen Nachweise des Gelbschnabeltauchers in der Schweiz und am Bodensee:

2000
21.02. – 12.03.00, 1 Ind. 2.KJ, Gundholzen/Höri (S. Werner, S. Schuster, Ornith. Rundbrief für das Bodenseegebiet, Nr. 156/April 2000, unveröff.)

1996
07.01. – 21.021996, 1 Ind. 2.KJ, Bodman (S. Werner, F. Portala et al., in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
07.04.1996, 1 Ind. 2.KJ, Güttingen TG (H. Klopfenstein in MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007)
23. – 26.06.1996, 1 ad. PK, Eriskircher Ried (G. Knötzsch, M. Hemprich, D. Koch, R. Ertel in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1994/1995
12.12.1994 – 28.02.1995, 1 juv., zwischen Landschlacht TG und Rorschach SG (H. Leuzinger in MAUMARY et al., 2007)

1982
24.01. – 09.03.1982, 1 Ind. 2.KJ, Eschenz TG, Öhningen BW und Mannenbach TG (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1976
25. – 29.02.1976, 1 Ind., Stockacher Aachmündung (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1973
02./06.12.1973, 1 Ind. 1.KJ, Rheinfelden AG (MAUMARY et al., 2007)


Die Schnabelformen der Seetaucher (aus PETERSON et al., Die Vögel Europas, 10. Aufl., 1973)

Von heimziehenden Blaukehlchen und einem möglichen Lannerfalken bei Moos

Luscinia svecica cyanecula ♂ — 26.03.11, Moos (Foto S. Trösch)

Seit rund zehn Tagen ist im Bodenseegebiet und in der Region Schaffhausen der Vogelzug zunehmend spürbar, mit vielen heimkehrenden, am Boden rastenden oder ziehenden Vögeln. Mit dem Abklingen der starken, und frischen Windströmung aus NE (Bise) anfangs dieser Woche nahm der sichtbare Vogelzug zu und gipfelte z. B.  in der Region Schaffhausen am Mittwoch, 23.03.11. Auf dem „Galgenbuck“ bei Neuhausen erfasste ich an diesem Tag von 06:30 bis 15:45 Uhr z. B. 8 Schwarzstörche,  rund 9’500 Ringeltauben, 26 Schwarzmilane, 3 Fischadler, 6 Rohr- und eine Kornweihe, 15 Sperber sowie rund 19’000 Buchfinken. Auch im Vorarlberger Rheindelta gab es interessante Beobachtungen, so z. B. mind. 119 Goldregenpfeifer und 8 Kraniche am 19.03.11 (Nikolai Orgland) und in den letzten Tagen wurden an mehreren Stellen am Bodensee Seltenheiten wie z. B. Sumpfohreule, Stelzenläufer, Säbelschnäbler gesehen . Im Schaffhauser Klettgau haben mehrere Schwarzkehlchen und Grauammern ihre Reviere in den ökologischen Ausgleichsflächen seit einer Woche besetzt und in der Stadt Schaffhausen sind am 22.03.11 die ersten Alpensegler eingetroffen (Martin Roost).

Weisssterniges Blaukehlchen Luscinia svecica cyanecula — 26.03.2011, Moos / Radolfzeller Aachmündung — Video: Stephan Trösch (Bei Vollbild bitte HD wählen).

Blaukehlchen 26.03.11 Moos from Stephan Trösch on Vimeo.

 

Die jetzt heimziehenden Blaukehlchen profitieren am Bodensee vom günstigen Wasserstand (Pegel Konstanz am 26.03.2011 = 284cm) und sind jetzt an einigen Stellen zu sehen, besonders an der Radolfzeller Aachmündung, wo sich seit einer Woche 1-4 Ind aufhalten.

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“, Moos, 26.03.11 (Foto S. Trösch)

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“?
Heute Samstag, 26.03.11, wurde an der Radolfzeller Aachmündung ein Falke beobachtet, mit folgenden Grobkennzeichnung: Greifvogel vom Typ „Lannerfalke“, Falco biarmicus, ggf. auch junger Wanderfalke ssp. „calidus“. Am Boden kräftig wirkender Falke mit auffallend langen, hellen, sandfarbenen Hosen, allgemein hellbrauner Erscheinung mit auffäligem, durch schwarzen Bartstreif und Augenbinde kontrastreichem Kopf und hellem Scheitel. Schwanz gleich lang wie Flügel. Im Flug ähnlich Wanderfalke, jedoch „schwerfälliger“ wirkend. Trägt weder Geschüh noch Ring. Kommentare zu diesem Vogel sind hier erwünscht.

Unbestimmter Falke bei Moos am 26.03.11 (Foto S. Trösch)

(Sämtliche Beobachtungsangaben, ausser diejenigen des Autors, ohne Gewähr, Quelle www.ornitho.ch)