Naturkundliche Wanderwoche im Unterengadin und Schweizerischen Nationalpark

Ramosch GR, 22.07.12 (Foto S. Trösch)

Fernab massierter Touristenbewegeungen erlebte ich Ende Juli 2012 im Unterengadin / Graubünden eine wunderschöne und erholsame Ferienwoche. Ramosch – die Ortschaft am unteren Ende des Tales, unweit der Grenze zu Italien und Österreich, zählt zu den trockendsten Gegenden der Schweiz, und, wen wunderts, auch zu den ornithologisch Interessantesten. Über 100 Brutvogelarten wurden in dieser Region schon nachgewiesen, darunter auch Raritäten wie z. B. die Sperbergrasmücke.

In der Pension „La Randulina“ (die Schwalbe)  fand ich die ideale Herberge für die täglichen Wanderungen, die mich v. a. in die nähere Umgebung von Ramosch führten, ferner auch je einen Tag nach Samnaun und in den Schweizerischen Nationalpark am Ofenpass. Aus dem spontanen Reiseentscheid und mit der ebenso spontanen Wahl der Pension „La Randulina“ wurde ich nichtsahnend in eine familiäre Umgebung holländischen Ursprungs geführt und mit Gästen, die zu 90% aus den Nederlande stammten. Holländisch ist und war Haussprache. Die Gastgeber-Ehepaar Liesbeth Hopman und Maarten van Wieringen verwöhnten uns Gäste in jeder Hinsicht, sowohl kulinarisch mit einem reichhaltigen Abendessen (vegetarisch/nicht-vegetarisch) als auch mit der Bereitstellung einer freundlichen und erholsamen Atmosphäre. Im ausgezeichneten Preis-Leistungsangebot sind zudem naturkundliche Führungen inbegriffen.

Bergwiesen „Chantata“ oberhalb Ramosch, 23.07.12 (Foto S. Trösch)

Die Landschaft oberhalb Ramosch ist terrassenartig geformt, von der früheren Landwirtschaft geprägt und mit zahlreichen Hecken und Sträuchern auffällig gekleidet. Dieses Habitat zeigt sich auch in den Nachbarortschaften Sent und Tschlin, die ornithologisch ebenfalls sehr interessant sind. Ich war restlos begeistert von dieser Gegend. Die Blumenwiesen, randvoll mit Heuschrecken und Schmetterlingen, begleiteten mich während meiner Erkundungstouren. Sie wurden in dieser Woche auch da und dort gemäht. Andere werden grosszügig bis Mitte August stehengelassen, weil z. B. der Wachtelkönig als Brutvogel vermutet wird. Entsprechende Informationstafeln sind für Wanderer aufgestellt. Mitten im Sommer blieben die Gesänge der Vögel praktisch aus. Mit Geduld waren aber da und dort fütternde Altvögel zu sehen, z. B. Braunkehlchen, Neuntöter oder mitten in Ramosch auch Felsenschwalben. Auch im 3km weiter oben liegenden 60-Seelendorf Vnà werden an mehreren Stellen flügge Felsenschwalben gefüttert. Ich erkundete in Tageswanderungen das hintere Val Sinestra bis zur kleinem Berggasthof „Griosch“ am Fusse von Stammerspitz (3254m) und Piz Mottana (2928m). Ein Steinadler kreiste hier im Aufwind. Ein landschaftlicher Höhepunkt war ferner die Wald- und Wiesenlandlandschaft südlich des Piz Arina (2828m) bis hinunter nach Vnà und Ramosch. Mehrere Braunkehlchen-Familien fütterten in dem noch hohen Gras ihre Jungen.

Nationalpark, „Valbella“ mit Piz Nair (re), 26.07.12 (Foto S. Trösch)

Eine Augenweide für mich waren auch die vielen Alpenpflanzen. In der mitgeführten Bestimmungsliteratur wurde am Abend rege geblättert und versucht, die fotografierten Blumen zuordnen zu können. Die holländischen Freunde zeigten sich ornithologisch wie botanisch sehr interessiert, was zu guten Gesprächen und persönlichen Begegnungen führte. Am Donnerstag, 26.07.12, schloss ich mich einer Gruppe an, die den Nationalpark besuchen wollte. Vom Ofenpass aus wanderten wir hinauf, an der östlichen Flanke des „Munt da la Bescha“ vorbei zum „Valbella“ auf 2535m. Vor uns der mächtige Felsklotz des „Piz Nair“ (3010m) und das archaisch anmutende „Val Nüglia“. In der Ferne sahen wir 2 Steinadler Richtung Westen gleiten und keine Minute später, nachdem ich der Gruppe von einem typischen Bartgeierrevier erzählte, segelten tatsächlich zwei subadulte Individuen wie aus dem „Nichts“ auftauchend vor uns vorbei. Ein erhabener Anblick inmitten der phantastischen Berglandschaft. Ein Bartgeier setzte sich nur 200m von uns entfernt im Schatten der hoch liegenden Sonne auf eine Felskante.

Alpenschneehuhn, Valbella, 26.07.2012 (Foto S. Trösch)

Unverhofft stiessen wir am ausgehenden Tal „Valbella“ auf eine Alpenschneehuhn-Familie! Eine Henne führte 6 fast flügge Jungvögel. Eine Gruppe von Schneesperlingen überflog das Gebiet und zwei Steinschmätzer trugen Futter für Jungvögel im Schnabel.

Val S-charl, 26.07.2012 (Foto S. Trösch)

Nach einem Zwischenhalt auf der Alp Astras (2135m) folgten wir dem Bergweg durch lichte Nadelwälder hinunter bis S-charl (1810m). Unterwegs begleiteten uns einige Tannenhäher und eine Gruppe von rund 30 Fichtenkreuzschnäbeln).

Am letzten Tag meiner Ferienwoche besuchte ich in Zernez das sehenswerte Nationalparkhaus.

 

 

Wanderwoche im Mittelwallis — In Tuchfühlung mit Blaumerle, Steinrötel und Bartgeier

Vom 30.04. bis 06.05.2011 erlebten wir eine wunderbare  ornithologische Wanderwoche im Mittelwallis. Unsere Basis war das Schlosshotel Leuk, das in jeder Hinsicht überzeugte, die gewünschte Ruhe vermittelte, in wunderschöner Umgebung liegt mit Aussicht auf das Rhonetal, einen vorzüglichen Service bot und dies alles zu sehr fairen Preisen. Gartenrotschwanz, Wiedehopf und Kuckuck waren die Gesangsbegleiter um das Schlosshotel, von dem aus wir die täglichen Exkursionen unternahmen. Oberhalb Leuk liegt von weitem sichtbar der einstige Bannwald, von dem 2003 rund 350 Hektaren einer Brandstiftung zum Opfer fielen. Was sich seither an Fauna und Flora wieder entwickelt hat ist beeindruckend und Zeugnis für die kraftvolle Regeneration einer Brandfläche zugleich. Einer der auffälligsten Vögel ist der Gartenrotschwanz – kaum zu glauben, angesichts der sich ausdünnenden Bestände andernorts. Weitere typische Vertreter waren z. B. Zippammer und Berglaubsänger. Als einer der Höhepunkte gelang an zwei Tagen die Beobachtung eines Steinrötel-Paares sowie im Gebiet des Gemmi und Daubenhorns von Steinadler und Bartgeier. Letzterer bot für Minuten ein wahres Schauspiel, war Seite Seite mit einem Steinadler fliegend zu sehen, einmal sogar nur 50m über unsere Köpfe hinweg!

Schmetterlingshaft
Segelfalter

Die vielfältige Flora an den Trockenstandorten wahr ein Genuss wie auch die verschiedensten Tagfalter unsere Herzen erfreuten. Zum ersten Mal sahen wir einen Segelfalter, wie er im Wallis recht häufig vorkommt und auch der zarte Schmetterlingshaft (ein Netzflügler) war bei den sommerlichen Temperaturen allgegenwärtig in den Blumenwiesen der Berghänge.