Ein Krauskopfpelikan im Vorarlberger Rheindelta

Krauskopfpelikan – 2010-04-10 Rheindelta (Foto: © Hubert Salzgeber)

Am 10.04.2010 wurde um 14:00 Uhr durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta beim Rheinspitz / Wetterwinkel ein Krauskopfpelikan Pelecanus crispus entdeckt. Wohl derselbe Vogel wurde um 15:20 Uhr von H.P. Wächter am Rheinspitz gesehen (Meldung in www.ornitho.ch als unbest. graue Gans mit Kommentar „Pelikan“. Der Krauskopfpelikan ist erst seit 12.4.10 in der Artenliste von ornitho.ch integriert). Der Vogel hielt sich danach in der Fussacher Bucht und gegen Abend ruhend auf der Sandbank beim Rohrspitz auf, wo er von weiteren lokalen Ornithologen beobachtet werden konnte. Diese in Südosteuropa und und Kleinasien beheimatete grösste Pelikanart Europas wurde 2006 in Deutschland nachgewiesen und Ende Februar 2010 zum ersten Mal in Österreich (Quelle: Club 300 Austria). Sollte es sich bei der jüngsten Beobachtung ebenfalls um einen Wildvogel handeln, wäre dies neben dem zweiten Nachweis in Österreich der erste gesicherte im Bodenseegebiet. Am 11.04.2010 wurde der seltene Gast im Rheindelta nicht mehr gesehen. Es ist durchaus möglich, dass er an anderen Orten am Bodensee (z. B. Ermatinger Becken) auftauchen kann. Für die Schweiz liegen noch keine Nachweise des Krauskopfpelikans vor. [Kleine Ergänzungen/Nachträge am 12.4.10 um 15:19h].

Krauskopfpelikan, Klingnauer Stausee, 13.04.2010 (Foto: P. Donini)
Krauskopfpelikan, Klingnauer Stausee, 13.04.2010 (Foto: P. Donini)

[Artikel-Nachtrag vom 13.04.2010, 13:40h] Der Krauskopfpelikan hält sich seit 12.04.10 auf dem Klingnauer Stausee AG auf und wurde auch am 13.04.10 gesehen. Gemäss Meldungen in ornitho.ch ist der Vogel nicht beringt, so dass es sich um einen Wildvogel handeln könnte.

4. Brutvogelkartierung im Bodenseegebiet angelaufen

Nach 1980-1981, 1990-1992 und 2000-2002 werden in den Jahren 2010/2011 zum vierten Mal im gesamten Bodenseegebiet auf rund 1200 km² die Brutvögel kartiert. Unter der aktiven Mitwirkung von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) ist jetzt Ende März mit der Erfassung von singenden Vögeln begonnen worden, mit weiteren vier Begehungen/Erfassungen bis Ende Mai/anfangs Juni. Die Methodik basiert auf der Erfassung aller revieranzeigenden Vögel innerhalb eines 2x2km grossen Quadrates (Linientaxierung), in dem nach fünf Kartierungsgängen (März-Mai) alle Biotope und rund 50% der Gesamtfläche von 4 km² erfasst worden sind. Der Bestand jeder registrierten Vogelart wird danach auf die Gesamtfläche hochgerechnet, wobei auf die unterschiedlichen Reviergrössen, das relative Vorkommen in Biotopen und die Gesangsintensität der einzelnen Arten geachtet werden muss.

Die Ergebnisse der Kartierungen 1980-81 und 1990-92 wurden in den Avifaunen „Die Vögel des Bodenseegebietes“ (SCHUSTER et al. 1983, und HEINE et al. 1998/1999) veröffentlicht. Die Ergebnisse der letzten Kartierung in den Jahren 2000-02 mit der Auswertung von über 150 Brutvogelarten wurde in einem 167-seitigen pdf-Dokument auf der Website der OAB veröffentlicht und kann am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden.

Nachstehend die Ergebnisse der Kartierung 2000-2002 von vier ausgewählten Arten:

Fazit ist, dass sich die Langstreckenzieher (wie z. B. Waldlaubsänger, Fitis, Gelbspötter, Feldschwirl) weiterhin aus dem Bodenseegebiet zurückziehen, Offenlandvögel weiterhin z. T. dramatische Bestandeseinbussen erlitten und Bodenbrüter (wie z. B. Feldlerche und Fitis) in den meisten Fällen rückläufige Bestände aufweisen. Andere Arten, wie z. B. die Mönchsgrasmücke (Kurzstreckenzieher, Baumbrüter) haben signifikant zugenommen, während die Gartengrasmücke (Langstreckenzieher, Baumbrüter) rückläufig ist. Überraschend ist ferner der drastische Bestandesverlust beim Haussperling, der bis anhin häufigsten Vogelart im Bodenseegebiet.

Die 4. Brutvogelkartierung wird nun – nach zehn Jahren wieder – aufzeigen, inwiefern und bei welchen Arten Veränderungen eingetreten sind.

↓↓ Brutvogelatlas Bodensee 2000 (pdf-Datei, 4.91 Mb)