Flughafen Zürich — Erstaunliche Vielfalt auf kleinem Raum neben Landepiste 14

Flughafen Zürich mit Landepiste 14 und Zuschauerplatz und dem kleinen Biotop in Bildmitte (S. Trösch, 22.04.11)

Der Flughafen Zürich Kloten [ausführliche Info in Wikipedia] entstand in den Jahren 1946-1948 mitten in einem ehemaligen Sumpf- und Riedgelände, wurde bis heute in mehreren Etappen weiter ausgebaut und gilt als der wichtigste Personen- und Güterumschlagplatz der Schweiz. Verschiedene Rad- und Fusswege führen um das grosse, eingezäunte Flughafengelände, auf der Ostseite auch durch naturnahe Habitate oder kleinere Naturschutzgebietze, welche als Kompensation für den Pistenausbau errichtet wurden. Bei den Landepisten 14 und 16 sind zwei Zuschauerplätze entstanden. Zum ersten Mal Mitte April 2011 ornithologisch in dieser Gegend unterwegs schaute ich zuerst gebannt auf die Landung eines Airbus A380 der Singapore Airlines, um dann am 22.04.2011 auf einer Fläche von 72ha mit Feuchtstellen, Gräben und Büschen entlang der östlichen Flughafenabgrenzung z. B. mind 26 singende Nachtigallen zu erfassen.

Erstaunlich zudem, was sich gleichentags auf einer 2,3ha kleinen Feucht- und Ruderalfläche 150m neben der Landepiste 14 und dem Zuschauerplatz beobachten liess: unter den rund 25 Vogelarten waren u. a. 4 Grauammern (2 revieranzeigende Paare), 4 rastende Ortolane (eine singend, siehe Videoclip), eine Rohrammer und 6 Goldammern, ferner 2 Nachtigallen, 1 Feldschwirl und ein Teichhuhn. Erstaunlich, dass sich die Vögel vom grossen Lärm der minütlich anfliegenden Flugzeuge kaum ablenken lassen, Rotmilane und Turmfalke wie gelassen neben den Flugzeugen im Aufwind stehen.

↓↓ Natur_und_Landschaft am Flughafen Zürich (pdf, 0,61 Mb)

Ortolan / Landepiste Airport Zürich from Stephan Trösch on Vimeo.

Video mit Diciscoping vom 22.04.2011 in Bachenbülach ZH

Singender Ortolan am 22.04.2011 neben der Landepiste 14 des Flughafens Zürich. Der leise Gesang geht neben singenden Nachtigallen und dem Lärm landender Flugzeuge fast unter (Videoclip per Digiscoping, S. Trösch).

Abschluss der Wasservogelzählungen 2009/2010

Eistaucher, 18.04.2010, Kesswil (Foto S. Trösch)

Am heutigen Sonntag, 18.04.2010, wurden am ganzen Bodensee zum letzten Mal in der Saison 2009/2010 die Wasservögel gezählt. Mein Zählgebiet liegt zwischen Uttwil und Münsterlingen, am schweizerischen Obersee, unter Ornithologen auch bekannt als die „Seetaucherstrecke“. Angesichts der günstigen Wetterlage und dem erwarteten Bootsverkehr war ich bereits nach sieben Uhr im Gebiet, das sich nun ohne die winterlichen Vogelmassen (v. a. Blässhühner, Reiher- und Tafelenten) präsentierte. Interessanterweise waren rund 650 Haubentaucher auf der Zählstrecke, jedoch zu 95% über einen Kilometer weit draussen auf dem See. Vor den Schilfzonen waren nur wenige balzende Paare zu sehen. Zwischen Güttingen und Uttwil hielten sich noch 29 Prachttaucher auf, die meisten im Prachtkleid. Auch von den mind. 3 überwinternden Eistauchern waren heute 2 immat. zu sehen, für einmal in günstiger Distanz für das Digiscoping. Die nächste Zählsaison beginnt im September 2010.

Ortolan, 18.04.2010, Kesswil (Foto S. Trösch)

Auffällig waren am Seeufer bei Kesswil ein Trupp von mind. 60 Schafstelzen (M.f.flava) sowie als kleine Überraschung an gleicher Stelle 4 Ortolane. Auf dem Heimweg suchte ich noch einige Äcker ab und entdeckte tatsächlich zwischen Güttingen und Kesswil einen Brachpieper und einen Steinschmätzer. Mein erster Frühlingsbesuch im Wollmatinger Ried bescherte mir einen Baumfalken und eine 2Y Kornweihe, ferner auch je einen singenden Schilfrohrsänger, Rohrschwirl und Grauspecht. Im Ermatinger Becken waren mind. 17 Grünschenkel, 1 Regenbrachvogel und 32 Grosse Brachvögel zu sehen.

Den angenehmen und recht milden Frühlingstag schloss ich mit einem Besuch der Radolfzeller Aachmündung bei Moos ab. Einige Limikolen, wie 9 Grünschenkel, 1 Rotschenkel, 2 Bruchwasserläufer, 1 Waldwasserläufer, 1 Kampfläufer und 3 Flussregenpfeifer, waren anwesend sowie ein Blaukehlchen, das sich leider nur kurz am Schilfrand zeigte.