Vogelbeobachtungen «zwischen den Jahren» 2014 und 2015

Landschaft im Hegau mit "Hohenstoffeln" und "Hohenheewen", D-Watterdingen, 31.12.2014 (Foto: S. Trösch)
Landschaft im Hegau mit „Hohenstoffeln“ und „Hohenheewen“, D-Watterdingen, 31.12.2014 (Foto: S. Trösch)

Nach einer längeren Pause ist jetzt zum Jahresbeginn 2015 ein guter Moment, etwas aus meinem aktuellen Tagebuch zu berichten. ― Der eindrückliche Wintereinbruch von Ende Dezember 2014 bescherte uns viel Schnee. Selbst im Flachland auf rund 400 m.ü.M. lagen stellenweise bis zu 30cm oder mehr und die Temperaturen blieben über mehrere Tage weit unter Null Grad, weshalb der Schnee in fast unveränderter Dichte liegenblieb. Die Vögel reagierten auf diese Wetterlage nicht so wie angenommen, zumindest blieben die erwarteten „Winterfluchten“, wie z.B. beim Mäusebussard, mehr oder weniger aus.

Über die Weihnachts- und Neujahrstage hatte ich etwas Gelegenheit, in meiner Wohnregion Schaffhausen wie auch im Bodenseegebiet auf Beobachtungstour zu gehen. Ferner nahm ich auch Gelegenheiten wahr, um da und dort interessante Winterimpressionen als Fotografie festzuhalten.

Ringschnabelente | Steckborn TG | 22.12.2014 (Foto: S. Trösch)
Ringschnabelente | Steckborn TG | 22.12.2014 (Foto: S. Trösch)

Wie im letzten Winter 2013/14 zeigte sich auch jetzt wieder bei Steckborn eine Ringschnabelente (Aythya collaris – Ring-necked Duck). Möglicherweise handelt es sich um denselben Vogel wie im Vorjahr. Am 22.12.14 konnte ich den seltenen Gast gut beobachten. Neben den üblichen Wintergästen zeigte sich auf dem Steg beim Bootshafen Steckborn auche eine Steppenmöwe (Larus cachinnans – Caspian Gull). ― Am Stephanstag 2014 beobachtete ich wieder einmal am Zeller See bei D-Moos, ohne dass ich dort auf eine besondere, bzw. unerwartete Vogelarten gestossen wäre. Die 36 Graureiher (Ardea cinerea – Grey Heron) waren für einmal auffällig, neben einem Silberreiher (Casmerodius albus – Great Egret). Zuvor konnte ich zwischen D-Bankholzen und D-Weiler auf der noch grünen Wiese 126 Grosse Brachvögel (Numenius arquata – Eurasian Curlew) beobachten, eine Stelle, die von dieser Limikolenart im Winter gerne aufgesucht wird.

Stadt Schaffhausen | Blick vom "Munot" | 29.12.2014 | Foto: S. Trösch
Stadt Schaffhausen | Blick vom „Munot“ | 29.12.2014 | Foto: S. Trösch

Ja, und am 27.12.14 ist der Schnee gekommen, und das nicht zu knapp. Er verzauberte die Landschaft und Ortschaften wie schon lange nicht mehr, und das passte wunderbar in diese lichtvolle Zeit. ― Auf der Zinne der Festung „Munot“ eröffnete sich mir am 29.12.14 ein schöner Blick auf den Hochrhein und die Stadt Schaffhausen. Unverhofft flogen rufend 3 Wiesenpieper (Anthus pratensis – Meadow Pipit) über den Munot Richtung Westen. Das war eine neue Vogelart für mich auf Stadtgebiet. Auch ohne blühende Rosen zeigte sich der „Rosengarten“ im Winterkostüm und mit der Festung Munot im Hintergrund von seiner schönen Seite. Besonders freute mich an diesem Tag, erstmals einen Wanderfalken (Falco peregrinus – Peregrine Falcon)  vor einer künstlichen Nisthilfe auf dem Turm der Kirche „St. Johann“ zu sehen.

Rosengarten beim Munot Schaffhausen | 29.12.2014 | Foto: S. Trösch
Rosengarten beim Munot Schaffhausen | 29.12.2014 | Foto: S. Trösch
Hochrhein b. Eschenz | Nilibucht | 30.12.2014 | Foto: S. Trösch
Hochrhein b. Eschenz | Nilibucht | 30.12.2014 | Foto: S. Trösch

Am 30.12.14 kam ich in Eschenz bei der Insel Werd, bzw. in der „Nilibucht“ zu einer besonderen Beobachtung. Ein Kollege entdeckte hier am Vormittag eine Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus – Jack Snipe) und zeigte sie mir am Nachmittag. Dies war nach 1974 (!) für mich erst die zweite Beobachtung dieser heimlich lebenden Schnepfenart. Der Vogel konnte sehr gut bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Die gelbe Längsstreifung im Rücken hob sich markant hervor, wie auch die auffällige Kopfzeichnung und der im Vergleich zur Bekassine deutliche kürzere Schnabel gut zu sehen waren. Während die Zwergschnepfe am Schilfrand Nahrung suchte. stocherten 3 Bekassinen (Gallinago gallinago – Common Snipe) im Flachwasser der Sandbank nach Fressbarem.

Prachttaucher | Kesswil - Güttingen | 14.12.2014 | Foto: S. Trösch
Prachttaucher | Kesswil – Güttingen | 14.12.2014 | Foto: S. Trösch

Am Neujahrstag 01.01.2015 besuchte ich die „Seetaucherstrecke“ am Bodensee zwischen Münsterlingen und Uttwil. Die Sicht war nicht optimal. So konnten die in etwa 1-2 km Uferentfernung auf dem See liegenden Haubentaucher nur knapp gesehen werden. Gespannt war ich nach dem Wintereinbruch auf die Beobachtung von Seetauchern. Ob sich diesen Winter wohl zum ersten Mal ein Eistaucher (Gavia immer – Great Northern Loon) zeigen würde? Leider nein, wie sich nach rund zwei Stunden Beobachtungszeit zeigen sollte. Auch der Prachttaucher (Gavia arctica – Black-throated Loon) war mit insgesamt 10 Individuen eher spärlich vertreten. Ein paar Wochen zuvor gab es schon über 40 Individuen. ― An diesem Tag suchte ich noch die Steinacher Bucht zwischen Arbon TG und Steinach SG auf. Mindestens 33 Steppenmöwen (Larus cachinnans – Caspian Gull) und 2 Silbermöwen (Larus argentatus – Herring Gull) waren zu sehen. ― Gerade zur rechten Zeit um 16:00 Uhr kam ich beim Schlafplatz des Grossen Brachvogels (Numenius arquata – Eurasian Curlew) bei Frasnacht TG an. Während über einer Stunde flogen ständig einzelne oder kleine Gruppen aus verschiedenen Richtung und unauffällig tief den Schlafplatz an. Bis um 17:30 Uhr bei Dämmerung erfasste ich mindestens 470 Individuen, bedeutend weniger als in früheren Jahren, wo um die Jahreswende 600 bis 700 Brachvögel anwesend waren. ― Eine jagende Kornweihe im 2. Kalenderjahr (Circus cyaneus – Northern Harrier 2Y) jagte im Uferbereich und mit Glück konnte ich in der beginnenden Dämmerung ein Fotos erstellen.

Kornweihe 2.KJ | Frasnacht-Arbon TG | 01.01.2015 | Foto: S. Trösch
Kornweihe 2.KJ | Frasnacht-Arbon TG | 01.01.2015 | Foto: S. Trösch

Und heute, am 02.01.2014, führte ich mit vier schaffhauser Freunden unsere traditionelle „Berchtoldstags-Exkursion“ durch. Wir waren wieder einmal im Vorarlberger Rheindelta unterwegs, in einer (zumindest am Vormittag) noch tief verschneiten Landschaft. Die Stimmung im Bereich der Lagune und Rheinmündung war wunderbar und man liess sich von den doch frischen Temperaturen und von der Begehung des schneebedeckten Dammes nicht beeindrucken. Einige schöne Beobachtungen, wie z.B. 3 Rohrdommeln (Botaurus stellaris – Eurasian Bittern), Kornweihe (Circus cyaneus – Northern Harrier 2Y) und Rohrweihe (Circus aeruginosus – Marsh Harrier), Samtente (Melanitta fusca – Velvet Scoter) und Bergenten (Aythya marila – Greater Scaup), einer Schneeammer (Plectophenax nivalis – Snow Bunting) sowie 2 Zwergmöwen 2.KJ (Hydrocoloeus minutus – Little Gull 2Y), passten perfekt in die winterliche Szenerie. Zum Abschluss gehörte wie immer ein feines Essen, diesmal in der Linde zu Höchst.

Nachstehend einige Impressionen von diesem Wintertag am 02.01.2015 im Vorarlberger Rheindelta.

Vorarlberger Rheindelta, Panorama bei der Lagune Richtung Westen | 02.01.2015 | Foto: S. Trösch
Vorarlberger Rheindelta, Damm links | 02.01.2015 | Foto: S. Trösch
Vorarlberger Rheindelta, Damm links | 02.01.2015 | Foto: S. Trösch
Vorarlberger Rheindelta, Panorama bei der Lagune Richtung Norden| 02.01.2015 | Foto: S. Trösch
Vorarlberger Rheindelta, Panorama bei der Lagune Richtung Norden| 02.01.2015 | Foto: S. Trösch

 

Rohrdommel | Vorarlberger Rheindelta, Lagune | 02.01.2015 | Foto: S. Trösch
Rohrdommel | Vorarlberger Rheindelta, Lagune | 02.01.2015 | Foto: S. Trösch

Seidenschwänze — faszinierende Wintergäste aus der Taiga

H87B0218 X1200Seidenschwänze zählen zu den faszinierenden Vogelarten und Gastvögel im mitteleuropäischen Binnenland, zumal sie nicht alljährlich zu sehen sind, mehrere 1000 Km fern von ihrer Heimat in der Taiga ihre Brutverbreitung haben und mit ihrer auffälligen Färbung einen Hauch Exotik in der Winterlandschaft verbreiten. Die aktuellen Beobachtungskarten von Deutschland und der Schweiz lassen auf eine stärkere Invasion deuten, die aber nicht an jene im Winter 2005/2006 herankommt. Mit Glück lassen sich derzeit in Parks, Gärten, generell auf Bäumen und Sträuchern mit Beeren aller Art kleine Gruppen Seidenschwänze beobachten. Stoisch warten die hungrigen Vögel auf Baumspitzen während Minuten und Stunden, um dann in der Umgebung überfallartig Beeren zu fressen, nach kurzer Zeit wieder wegzufliegen und erneut wieder Beeren zu fressen. Umgekehrt sieht man auch ruhelos,  von Quartier zu Quartier ziehende Gruppen, die beerenbehangene Sträucher aufsuchen.

Seidenschwanz Italia 2012-13 Seidenschwanz CH 2012-13 Seidenschwanz BRD 2012-13 Die Karten von Italien, der Schweiz und Deutschland zeigen die Seidenschwanz-Beobachtungen im bisherigen Winterhalbjahr 2012/13 (Quellen: www.ornitho.it, www.ornitho.ch und www.ornitho.de)

Die nachstehenden Bilder entstanden am 13.02.2013 in Schaffhausen, als eine Gruppe von 9 Seidenschwänzen neben einer Quartierstrasse während zwei Stunden regelmässig einen Schneeballstrauch aufsuchte (Fotos von Stephan Trösch aus dem Auto mit einer Canon 5D Mark III + Novoflex f/5.6 400mm). —  Klick = grosses Bild.

H87B0368 X1200 H87B0364 R1200
H87B0348 X1200 H87B0303 X1200
H87B0286 X1200 H87B0259 X1200B
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H87B0034 X1200 H87B0243 X1200
H87B0091 X1200 H87B0228 X1200