Abschluss der Wasservogelzählungen 2009/2010

Eistaucher, 18.04.2010, Kesswil (Foto S. Trösch)

Am heutigen Sonntag, 18.04.2010, wurden am ganzen Bodensee zum letzten Mal in der Saison 2009/2010 die Wasservögel gezählt. Mein Zählgebiet liegt zwischen Uttwil und Münsterlingen, am schweizerischen Obersee, unter Ornithologen auch bekannt als die „Seetaucherstrecke“. Angesichts der günstigen Wetterlage und dem erwarteten Bootsverkehr war ich bereits nach sieben Uhr im Gebiet, das sich nun ohne die winterlichen Vogelmassen (v. a. Blässhühner, Reiher- und Tafelenten) präsentierte. Interessanterweise waren rund 650 Haubentaucher auf der Zählstrecke, jedoch zu 95% über einen Kilometer weit draussen auf dem See. Vor den Schilfzonen waren nur wenige balzende Paare zu sehen. Zwischen Güttingen und Uttwil hielten sich noch 29 Prachttaucher auf, die meisten im Prachtkleid. Auch von den mind. 3 überwinternden Eistauchern waren heute 2 immat. zu sehen, für einmal in günstiger Distanz für das Digiscoping. Die nächste Zählsaison beginnt im September 2010.

Ortolan, 18.04.2010, Kesswil (Foto S. Trösch)

Auffällig waren am Seeufer bei Kesswil ein Trupp von mind. 60 Schafstelzen (M.f.flava) sowie als kleine Überraschung an gleicher Stelle 4 Ortolane. Auf dem Heimweg suchte ich noch einige Äcker ab und entdeckte tatsächlich zwischen Güttingen und Kesswil einen Brachpieper und einen Steinschmätzer. Mein erster Frühlingsbesuch im Wollmatinger Ried bescherte mir einen Baumfalken und eine 2Y Kornweihe, ferner auch je einen singenden Schilfrohrsänger, Rohrschwirl und Grauspecht. Im Ermatinger Becken waren mind. 17 Grünschenkel, 1 Regenbrachvogel und 32 Grosse Brachvögel zu sehen.

Den angenehmen und recht milden Frühlingstag schloss ich mit einem Besuch der Radolfzeller Aachmündung bei Moos ab. Einige Limikolen, wie 9 Grünschenkel, 1 Rotschenkel, 2 Bruchwasserläufer, 1 Waldwasserläufer, 1 Kampfläufer und 3 Flussregenpfeifer, waren anwesend sowie ein Blaukehlchen, das sich leider nur kurz am Schilfrand zeigte.

Steppenmöwen am Bodensee

Steppenmöwe, adult, 18.01.09, Romanshorn (S. Trösch)

Die Steppenmöwe Larus cachinnans wurde in der Schweiz 1997 zum ersten Mal nachgewiesen. Sie gleicht der in der Schweiz verbreitet auftretenden Mittelmeermöwe Larus michahellis, unterscheidet sich aber mit strukturellen Merkmalen. Der winterliche Einflug der im Osten beheimateten Steppenmöwe bei uns beginnt mit einzelnen Individuen im Herbst, meist aber mit einem markanten Schub Mitte/Ende Dezember. Interessanterweise konzentriert sich das winterliche Vorkommen am Bodensee, während sie z. B. in der übrigen Schweiz nur an wenigen Stellen, dabei auch in kleinerer Zahl erscheint. Am Bodensee ist die Steppenmöwe regelmässig in grösserer Zahl im Vorarlberger Rheindelta, im Eriskircher Ried (Rotachmündung), gelegentlich im Ermatinger Becken und v. a. in der Steinacher Bucht (ArbonSteinach) zu beobachten. Dort sind regelmässig Ansammlungen von 20- 50 Ind. zu sehen. Möglicherweise profitieren diese Vögel, neben den ebenfalls häufigen Mittelmeer-, Lach- und Sturmmöwen von Fischereiabfällen, die auf steinacher Seite ausgelegt werden.

Winterverbreitung 2009/10 der Steppenmöwe in der Schweiz (Quelle: http://www.ornitho.ch)