Brutvogelkartierung Schweiz 2013 – 2016

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Beim Rebhuhn ist während der Brutvogelkartierung 2013-2016 in der Schweiz nur noch mit letzten Bastionen zu rechnen.

20 Jahre nach der letzten und 40 Jahre nach der ersten landesweiten Brutvogelkartierung ist die Schweizerische Vogelwarte Sempach mit rund 1000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in diesem Jahr zur dritten Durchführung dieses Grossprojektes gestartet. Ziel der von 2013 – 2016 dauernden Gemeinschaftsarbeit ist die Herausgabe eines neuen Brutvogelatlas, der u. a. die Grundlagen zum verbesserten Schutz bedrohter Vogelarten liefern soll. Das etwa im Jahre 2018 erscheinende Werk wird hinsichtlich Umfang und Präzision weltweit einmalig sein.

Für die Erhebung ist die Schweiz auf der Basis des schweizerischen Kilometernetzes in 467 10x10km-Raster (Atlas-Quadrate) eingeteilt. Für jedes dieser grossflächigen Quadrate hat eine Person freiwillig die Zuständigkeit übernommen. In diesen Atlas-Quadraten gilt es nun in der Projektzeit von 2013-2016 möglichst alle Brutvögel festzustellen. Herangezogen werden dabei einerseits die von vielen Beobachtern in ⧉ www.ornitho.ch eingebenen Brutzeitbeobachtungen sowie die pro Altas-Quadrat in jeweils 5 Kilometerquadraten durchgeführten Revierkartierungen. Schwieriger zu erfassende Arten oder solche mit besonderen Habitatsansprüchen müssen individuell und gezielt gesucht werden. Ausgewertet werden Daten, die bezüglich der Beobachtungszeit und dem beobachteten Verhalten der Vögel einem brutzeitrelevanten Atlascode entsprechen. Im Zentrum der ganzen Erfassung und Auswertung steht die online-Plattform ⧉ www.ornitho.ch, die für dieses nationale Projekt mit zusätzlichen Tools erweitert worden ist und dem Nutzer hervorragende neue Eingabe- und Abfragemöglichkeiten zum Stand des nationalen Projektes liefert.

Für jede dieser 20 Regionen übernimmt ein freiwilliger Koordinator die regionale/lokale Organisation und steht als Bindeglied zwischen der Projektleitung und den Mitarbeitern im Feld zur Verfügung Der Grossteil der Atlas-Quadrate sind zur Bearbeitung vergeben (rot), bzw. nur noch 62 Quadrate warten auf eine Bearbeiterin oder Bearbeiter (Stand 02.06.2013). Quelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach.

Die Revierkartierung in 1-km-Quadraten
Für die vereinfachte Revierkartierung in über 2000 Einkilometer-Quadraten sind im Zeitraum von Mitte April bis Mitte Juni insgesamt drei Kartierungsdurchgänge zu absolvieren (in der Gebirtsregion nur zwei). Für die Kartierungsarbeit sind sehr gute feldornithologische Kenntnisse erforderlich und für die spätere Digitalisierung der Kartierungsergebnisse auch gute PC-Anwenderkenntnisse. Am nachstehenden Beispiel einer Kartierungsarbeit im schaffhauser Klettgau kann die Kartierungsarbeit in groben Zügen vorgestellt werden.

1. — Kartierung im Feld. Auf dem Kartierungsblatt im Format A3 werden im zugewiesenen 1km-Quadrat sämtliche beobachteten Vögel und ihr Brutzeitverhalten eingetragen (singend, warnend, Nistmaterial oder Futter tragend, Nester usw.). Dieser Vorgang ist für alle 2-3 Kartierungsdurchgänge gleich.
2. — Georeferenzierung und Einscannen des Kartierungsblattes. Nach Abschluss der drei Kartierungsrundgänge werden alle originalen Kartierungsblätter der Vogelwarte Sempach geschickt, welche die Blätter georeferenziert, einscannt und dem Kartierer über einen Link online zugänglich macht.
3. — Digitalisierung und Revierausscheidung am PC. Zu Hause wird am Computer mit dem Programm «Terrimap-online» die Digitalisierung der eigenen Kartierungsergebnisse vorgenommen. Danach kann mit der Revierausscheidung begonnen werden.

Die Digitalisierung der Feldergebnisse mit «Terrimap-online» am Beispiel der Feldlerche in einem 1km-Quadrat im Schaffhauser Klettgau:
(Kartierung durch Stephan Trösch)

Der Zeitraum für die drei durchzuführenden Kartierungsrundgänge ist vorgegeben, ferner auch jener, ab wann für die einzelnen Vogelarten der brutzeitrelevante Atlascode gilt. Die nachstehenden Ausschnitte aus «Terrimap-online» zeigen die Ergbenisse der drei farblich unterscheidbaren drei Kartierungen und zum Schluss die Revierausscheidung. In diesem Fall kann von 26 Revieren der Feldlerche ausgegangen werden, was einem sehr guten Wert entspricht. Die Projektleitung an der Vogelwarte Sempach übernimmt eine Kontrolle der vom Kartierer gewählten Reviere und nimmt ggf. eine Absprache vor.

Digitalisierte, rot markierte Beobachtungen der Feldlerche im 1. Durchgang (17.04.2013) Digitalisierte, grün markierte Beobachtungen der Feldlerche im 2. Durchgang (15.05.2013)
Digitalisierte, blau markierte Beobachtungen der Feldlerche im 3. Durchgang (08.06.2013) Digitale Revierausscheidung anhand der „übereinander gelegten“ farblich unterscheidbaren drei Kartierungsrundgänge

Kälte, Regen und Schnee zum Projektstart

Der Auftakt zum Projektstartjahr wurde im April und Mai von teilweise schwierigen Wetterverhältnissen begleitet, unter denen v. a. die Vögel zu leiden hatten. Der Heimzug verzögerte sich um rund zwei Wochen und in höheren Regionen lag um Mitte/Ende April noch sehr viel Schnee.

Wildhaus im Toggenburg. So präsentierte sich den Vögeln und dem Kartierer die Landschaft im Bereich der Schwendiseen auf rund 1200m ü.M. am 10.04.2013 (Foto: Stephan Trösch) Dasselbe Gebiet (wie links) rund fünf Wochen später am 18.05.2013 zeigt bis auf rund 1800m apere Hänge (Foto: Stephan Trösch)

Ornitho.ch ermöglicht einen permanenten Überblick der landesweiten Ergebnisse
Die nachstehenden Karten stammen aus ⧉ www.ornitho.ch und zeigen einen kleinen Ausschnitt aus den vielfältigen Abfragemöglichkeiten hinsichtlich des Projektverlaufs und den möglichen artspezifischen Vergleichen zu den früheren Brutvogelprojekten.

Stand der Projektarbeiten im Juni 2013. Die einzelnen Punkte repräsentieren die Atlasquadrate (10x10km) und zeigen die bis dato festgestellte Artenanzahl. (Quelle: ornitho.ch) Stand der Projektarbeiten im Juni 2013 im Vergleich zum Ergebnis von 1993-1996. Dargestellt sind die Atlasquadrate mit dem bisherigen Trend hinsichtlich verschwundener und neu aufgtretener Arten. Die 407 orangen Punkte belegen einen aktuellen Stand mit mehr verschwundenen als neuen Arten. (Quelle: ornitho.ch)
Die per Juni 2013 vorliegenden Werte zeigen bei der Feldlerche in zahlreichen Gebieten einen weiteren Rückgang an, so z. B. in der Nordostschweiz, wo die Feldlerche angesichts der intensivierten Landwirtschaft keinen Platz mehr hat. (Quelle: ornitho.ch) Wie zu erwarten war setzt sich beim Rotmilan die Arealausdehnung in der Schweiz gegenüber 1993-1996 weiter fort. Die Art hat den Alpengürtel erreicht und scheint mit dem Wallis und dem Tessin zu liebäugeln. (Quelle: ornitho.ch)

Empfohlene Links zum Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016:

Atlas 2013-2016 Projektseite der Vogelwarte Sempach
Sendung SRF 1 „Einstein“ vom 18.04.2013 – Volkszählung der Vögel