Birdrace Schweiz 2021 — mit Beteiligung von 5 schaffhauser Teams

31. Schweizer Birdrace mit Rekorden . . . 59 Teams, Siegerteam mit 148 Arten und Turdus Team „Nordliecht“ mit Spendenrekord!

Fünf Teams bildeten Ornithologinnen und Ornithologen aus dem Kanton Schaffhausen, alle Mitglieder im Turdus Vogel- und Naturschutzverein. Sie waren 24 Stunden (nur mit ÖV, Velo, zu Fuss) unterwegs, am 03/04.09.2021 um möglichst viele Vogelarten in der Schweiz (inkl. Teile des Vorarlberger Rheindeltas) zu entdecken. Gleichzeitig galt es Sponsoren zu finden, die pro Art einen Betrag spenden. Alle schaffhauser Teams spannten zusammen und zugunsten des Teams „Nordliecht“. Stolze 15’000 Franken kamen so zusammen, was absoluten Spendenrekord einer einzelnen Gruppe bei allen Bird Races in der Schweiz darstellte.

Zusammen mit Yvonne Merk, Livio Marti, Roland Marti und Stephan Trösch bildeten wir das Team „NORDBRISE“.  Wir bildeten eine spontan entstandene Gemeinschaft, die sich auf eine ebenso kurz beschlossene Wegstrecke aufmachte. Ausgangspunkt war Rheineck, wo wir um 05.00 Uhr mit den Fahrrädern bei Dunkelheit aufbrachen. Noch vor der Abfahrt konnten wir bereits unsere erste Vogelart notieren, 2 rufende Waldkäuze!

Das Team „NORDBRISE“ mit Yvonne Merk, Livio Marti, Roland Marti und Stephan Trösch (am Fotoapparat) am 04.09.2021 bei Sonnenaufgang im Gaissauer Ried.

Unsere erste Etappe führte uns über die Alter Rhein-Fahrradbrücke ins Gaissauer Ried und in den Wetterwinkel. Zwei Silberreiher, Kolbenente, Höckerschwan, Mittelmeermöwe, Lachmöwe und Kormoran zählten zu den ersten Beobachtungen, im Ried folgten dann Grosser Brachvogel, Kampfläufer, Bekassine, Bruchwasserläufer, Grünschenkel und Rohrweihe. Um 08.00 Uhr hatten wir schon über 40 Vogelarten notiert, ein ehr guter Auftakt also. Unterwegs zum Rohrspitzgrund kamen noch Wacholderdrossel und Eichelhäher hinzu, gefolgt von einem einzelnen Flussuferläufer beim Glashaus. Auf der asphaltierten Strasse über den Heldernhof zurück nach Gaissau sahen wir noch Steinschmätzer, Schafstelze und Baumfalke. Sehr schön und nah war ein Trupp von über 300 Grossen Brachvögeln zu beobachten.

Um 08.20 Uhr im Höchster Ried zur Nahrungssuche anfliegende Grosse Brachvögel. Sie gehören zu einer im Vorarlberger Rheindelta seit Jahrzehnten grossen Mausergesellschaft. Man beachte die Mauserlücken in den Hand- und Armschwingen bei diesen fliegenden Vögeln.
Baumfalke am Rheinspitz bei Altenrhein.

Mit Girlitz, Schwarzkehlchen, dem einzigen Hausrotschwanz des Tages sowie Türkentaube verliessen wir die österreichische Seite und fuhren dem Alten Rhein entlang zum Rheinspitz. Entgegen unseren Hoffnungen waren dort eher wenige Arten zu sehen, immerhin aber eine Steppenmöwe und eine Silbermöwe. Schön auch eine jagende Rohrweihe über dem Flachwasser.

Mit dem Zug fuhren wir dann nach Arbon, statteten der Steinacherbucht einen kurzen Besuch ab und erst beim Seemoosriet entdeckten wir mit dem Teichhuhn eine neue Vogelart. Wir waren uns bewusst, dass der gewählte Weg dem See entlang zurück nach Schaffhausen zu keinem Spitzenergebnis führen würde. Doch schon bei Egnach/Luxburg konnten wir mit grosser Freude eine adulte Raubseeschwalbe sehen, die während mehrerer Minuten ufernah jagte. Ein Highlight für uns alle. Doch dem nicht genug: Plötzlich bemerkte Roland zwei dicht am Ufer vorbeifliegende Limikolen Richtung Romanshorn fliegen. Beim vorderen Vogel konnte sogleich der weisse Keil auf dem Rücken und der weisse Schwanz gesehen werden, der Schnabel gerade und Aufschluss gab uns dann der Flugruf „kiu“ unmittelbar vor uns – ein Teichwasserläufer. Eine mega Beobachtung! Der zweite hintendran fliegende Vogel war kleiner, konnte aber nicht bestimmt werden.

Adulte Raubseeschwalbe bei Luxburg/Egnach TG.

Ein Abstecher zum Hafen Romanshorn brachte nicht die gesuchte Schwarzkopfmöwe. Im Romanshorner Neuwald konnte die Artenliste mit Sumpfmeise, Haubenmeise, Kolkrabe und Rotkehlchen erweitert werden. Am „Eisweiher“ vorbei gelangten wir rasch an den See bei Uttwil, ohne aber weitere Arten entdeckt zu haben. Die Zeit eilte bereits voraus. Wir beschlossen deshalb, mit dem Zug gleich nach Triboltingen zu fahren. Bei weiterhin sommerlichen Temperaturen und vielen Menschen unterwegs konnten wir im Ermatingerbecken gerade mal die Tafelente ausmachen, die gewünschten Rohrammern und Bartmeisen sollten unentdeckt bleiben. So führen wir mit dem Zug gleich nach Schaffhausen zurück und versuchten unser Glück von der Anhöhe beim Munot Rosengarten. Eine Dohle war auf der Munotzinne zu sehen und die Alpensegler zeigten sich mit 50 Individuen erst bei Sonnenuntergang. Eine Nachsuche bei Nägel- und Espisee in Buchthalen blieb leider ohne weiteren Artenzuwachs. Um 21.00 Uhr beendeten wir unser Birdrace auf dem Bänkli im Rosengarten sitzend und mit insgesamt 78 beobachteten Vogelarten. Die übrigen SH-Teams, die auch in die Berge fuhren, schlossen erfolgreicher ab. Als Top-Gesamtergebnis ist der Gewinn des Sponsorings zu betrachten: CHF 15’000 brachte der vereinte Einsatz zugunsten des Teams „Nordliecht“ zusammen. Dieser Betrag wird von Birdlife Schweiz zur Förderung des Steinkauzes eingesetzt.

Detaillierte Ergebnisse des Birdrace Schweiz 2021: https://www.birdlife.ch/de/content/bird-race

Beobachten vom Munot Rosengarten Schaffhausen aus und Ort unseres Abschlusses des Birdrace Schweiz 2021.

Erneut ein Orpheusspötter im Kanton Schaffhausen

Orpheusspötter, 25.05.2015, Beringen SH (Foto: S. Trösch)

Nach dem Erstnachweis des Orpheusspötters im Kanton Schaffhausen am 28.06.2009 (siehe »ornitho.ch und »Beitrag in diesem Blog) entdeckte ich am am 25.05.2015 in der Kiesgrubenanlage „Hard“ in Beringen SH (Link zu »map.geo.admin) wieder ein singendes Individuum. Wie lange der Vogel schon dort anwesend ist bleibt offen, umgekehrt wird interessant sein, ob sich eine Brut nachweisen lässt. Für den Kanton Schaffhausen ist es somit der offizielle 3. Nachweis nach 2009 (Hallau SH, S. Trösch) und 2011 (Schaffhausen, A. Reich). Zwei Beobachtungen im Jahr 2013 (Schaffhausen und Bargen) wurden von der zuständigen Avifaunistischen Kommission nicht anerkannt. Mittlerweile unterliegt der Orpheusspötter in der Schweiz nicht mehr der Protokollpflicht.

Aktuelle Nachweise 2015 des Orpheusspötters (Hippolais polyglotta) in der Schweiz
Quelle: ornitho.ch

Darstellung der Orpheusspötter-Beobachtungen zwischen dem 25.04. und 28.05.2015 (Quelle: ornitho.ch)

Der in der Karte grüne Kreis markiert die Orpheusspötter-Beobachtung vom 25.05.15 bei Beringen. Nachwievor liegt das Schwergewicht der Schweizernachweise dieser Art im Westen, Wallis und im Tessin. Das Vorkommen im St. Galler Rheintal hat sich offenbar etabliert, hingegen fehlen seit einigen Jahren weitere Nachweise in der Ostschweiz und insbesondere vom Vorarlberger Rheindelta.

Orpheusspötter - Nachweise Schweiz seit 2000

Diese Karte veranschaulicht die Datenlage des Orpheusspötters in der Schweiz seit 2000. Nachweise über mehrere Tage (rote Quadrate) sind im Schweizerischen Mittelland zunehmend, eine Tendenz zur Ausbreitung in die östliche Landeshälfte ist wahrscheinlich – Quelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach.

» Information über den Orpheusspötter in der Schweiz (Schweizerische Vogelwarte Sempach)

Amerikanische Krickente am Bodensee (bei Arbon-Steinach)

Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)
Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)

Heute Sonntag, 18.01.2015, fanden am Bodensee die internationalen Wasservogelzählungen statt. Zu meiner bisherigen Zählstrecke am Schweizer Obersee (Münsterlingen-Uttwil, „Seetaucherstrecke“) habe ich seit Ende letzten Jahres noch die Anschlussstrecke Uttwil bis Romanshorn übernommen. Am Vormittag wehte ein leichter Nordostwind (Bise), der mittlere Wellen erzeugte. Die Sicht war ab etwa 1,5km Distanz nicht mehr gut. Aus diesem Grund waren die Ergebnisse beim Haubentaucher mit 375 Ind. und Prachttaucher mit 22 Ind. tief. Bei letzterer Art wurden zwei Tage zuvor 55 Ind. erfasst. Bei Uttwil konnten in grösserer Entfernung mind. 12 Samtenten ausgemacht werden. Meeresenten zeigten sich in diesem Winter bisher sehr sparsam. Hier zudem die „obligate“ adulte Heringsmöwe sowie eine schwach gelbfüssige adulte Silbermöwe, die wahrscheinlich nicht zur ssp. „omissus“ zugeordnet werden kann. Bei Romanshorn am Rande eines grösseren Schwarzhalstauchertrupps (ca. 120 Ind.) waren sehr schön 2 Ohrentaucher zu sehen und im Hafenbecken bzw. bei der Werft – neben einem Flussuferläufer – mehrere Steppenmöwen.

Unterwegs traf ich die Schweizer Ornithologen Manuel Schweizer und Paul Walser, denen ich dann an weiteren Beobachtungsorten nochmals begegnete. In Steinach beobachteten wir gemeinsam Grossmöwen (u.a. 4 Silbermöwen und mind. 20 Steppenmöwen) als Manuel plötzlich eine Amerikanische Krickente (Green-winged Teal /Anas carolinensis) entdeckte. Das war eine grosse Überraschung! Das Männchen im 2.KJ ruhte neben einigen Krickenten am Schlickrand rechts der Aachmündung und konnte aus der Nähe beobachtet werden. Sie war unberingt. Es ist gut möglich, dass sich dieser sehr seltene Gast noch einige Zeit hier aufhalten wird.

Offenbar gab es heute, gemäss einer Meldung in http://www.ornitho.de, auch eine Beobachtung dieser Art an der Donau (Auengewässer, Riedlingen). Für die Schweiz ist dies der 2. Nachweis nach der Erstbeobachtung von 2000.

Im „Der Ornithologische Beobachter“ 2016|113|61 erschien ein ausführlicher Bericht über diese Entdeckung (Schweizer M. et al., 2016). Download nachstehend.

OrnitholBeob_2016_113_61_Schweizer [hinzugefügt am 28.07.2017].

Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)
Amerikanische Krickente, M 2.KJ, 18.01.2015, Steinach SG (Foto S. Trösch)