Mauserplätze für Wasservögel am Bodensee: zum Beispiel Moos

Der Bodensee ist nicht nur ein wichtiges Überwinterungsgewässer sondern ist auch für mehrere Tausend Wasservögel Rückzugsgebiet während ihrer Mauser. An einigen der wenigen geschützten Stellen, wie z.B. an der Radolfzeller Aachmündung können Trupps mausernder Wasservögel gut beobachtet und studiert werden. Das schlichte Kleid der Enten steht jetzt im Gegensatz zum farbigen Prachtkleid. Die Bestimmung vieler Arten ist jetzt nicht selten eine Knacknuss. Erwähnt seien beispielsweise die Unterschiede zwischen schlichten Schnatter- und Stockenten. Teilnehmende an den Sommer-WVZ der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) müssen da sattelfest sein, wenn nicht nur die Bestimmung gelingen muss, sondern auch die Feststellung des Mauserzustandes. Nicht alle Wasservogelarten mausern zur selben Zeit. Das nachstehende Merkblatt gibt darüber Auskunft.

Mausererfassung-Merkblatt

Dieser Stockenten-Erpel ist im Moment nicht mehr flugfähig | Moos, Bodensee, Baden-Württemberg | 2017-07-12
Stockenten- oder Schnatterente ? – während der Mauserzeit eine kleine Knacknuss | Moos, Bodensee, Baden-Württemberg | 2017-07-12
Viele Blässhühner sind jetzt ab Mitte Juli in Schwingenmauser | Moos, 12.07.2017
Rostgans | Derzeit halten sich über 900 mausernde Individuen bei Moos auf. Eine neue Höchstzahl.

Aktuell starker Durchzug des Bruchwasserläufers (Tringa glareola) im Bodenseegebiet

Bruchwasserläufer, Teile eines Trupps mit 82 Ind., 25.04.2011, Moos (Foto S. Trösch)

Seit Wochen ist kaum mehr Regen gefallen, die Pegel der Flüsse und Seen sind am Sinken und in den landwirtschaftlichen Kulturen muss künstlich bewässert werden, was für den April sehr selten ist. Der Wasserstand am Bodensee steht derzeit bei 282cm (Pegel Konstanz), was im ganzen Seegebiet freigesetzte Uferstellen mit Schlick, Schlamm oder Kies bedeutet – ideale Bedingungen für rastende Limikolen. Aus den täglich aktuellen Beobachtungsmeldungen in www.ornitho.ch kann z. B. der Zug verschiedener Watvogelarten verfolgt werden, so auch beim Bruchwasserläufer Tringa glareola. Diese Art zieht regelmässig durch das europäische Binnenland. Am Bodensee verläuft der Heimzug im Frühjahr gegenüber dem Herbstzug wesentlich schwächer. Die neueren Maximalwerte für das Bodenseegebiet lagen bisher bei 52 Ind. am 25.04.1985 an der Radolfzeller Aachmündung, 35 Ind. am 4.5.1987  im Vorarlberger Rheindelta, 32 Ind.am 10.05.1989 im Eriskircher Ried  und 38 Ind. 03.05.1990 im Ermatinger Becken. Die Höchstzahlen im Herbst liegen bei 81 Ind. am 02.03.1983 im Wollmatinger Ried und 72 Ind. am 28.08.1990 im Rheindelta (HEINE, JACOBY, LEUZINGER & STARK, 1999, Die Vögel des Bodenseegebietes, S. 436).

Der Heimzug 2011 des Bruchwasserläufers begann am Bodensee anfangs April mit einzelnen Ind. und setzte sich in den Folgetagen unauffällig fort. Am 18.04.2011 gab es mit 27 Ind. an der Radolfzeller Aachmündung den ersten grösseren Trupp (H. Reinhardt), mit einem zunehmenden Verlauf in den folgenden Tagen und dem verstärkten Auftreten an verschiedenen Stellen. Die nebenstehende Karte zeigt die Verteilung der aktuell heimziehenden Bruchwasserläufer anhand der Zufallsdaten in www.ornitho.ch.

Gemäss www.ornitho.ch ergeben sich für das Bodenseegebiet beim Bruchwasserläufer aktuell folgende Zahlen:

19.04.2011 = 47 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (drei Orte)
21.04.2011 = 78 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
22.04.2011 = 201 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
23.04.2011 = 285 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
24.04.2011 = 305 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (max. 105 Ind. im Eriskircher Ried)

Diese grossen Rastgesellschaften sind für das Frühjahr aussergewöhnlich.

» Information über den Bruchwasserläufer (in Wikipedia)

Von heimziehenden Blaukehlchen und einem möglichen Lannerfalken bei Moos

Luscinia svecica cyanecula ♂ — 26.03.11, Moos (Foto S. Trösch)

Seit rund zehn Tagen ist im Bodenseegebiet und in der Region Schaffhausen der Vogelzug zunehmend spürbar, mit vielen heimkehrenden, am Boden rastenden oder ziehenden Vögeln. Mit dem Abklingen der starken, und frischen Windströmung aus NE (Bise) anfangs dieser Woche nahm der sichtbare Vogelzug zu und gipfelte z. B.  in der Region Schaffhausen am Mittwoch, 23.03.11. Auf dem „Galgenbuck“ bei Neuhausen erfasste ich an diesem Tag von 06:30 bis 15:45 Uhr z. B. 8 Schwarzstörche,  rund 9’500 Ringeltauben, 26 Schwarzmilane, 3 Fischadler, 6 Rohr- und eine Kornweihe, 15 Sperber sowie rund 19’000 Buchfinken. Auch im Vorarlberger Rheindelta gab es interessante Beobachtungen, so z. B. mind. 119 Goldregenpfeifer und 8 Kraniche am 19.03.11 (Nikolai Orgland) und in den letzten Tagen wurden an mehreren Stellen am Bodensee Seltenheiten wie z. B. Sumpfohreule, Stelzenläufer, Säbelschnäbler gesehen . Im Schaffhauser Klettgau haben mehrere Schwarzkehlchen und Grauammern ihre Reviere in den ökologischen Ausgleichsflächen seit einer Woche besetzt und in der Stadt Schaffhausen sind am 22.03.11 die ersten Alpensegler eingetroffen (Martin Roost).

Weisssterniges Blaukehlchen Luscinia svecica cyanecula — 26.03.2011, Moos / Radolfzeller Aachmündung — Video: Stephan Trösch (Bei Vollbild bitte HD wählen).

Blaukehlchen 26.03.11 Moos from Stephan Trösch on Vimeo.

 

Die jetzt heimziehenden Blaukehlchen profitieren am Bodensee vom günstigen Wasserstand (Pegel Konstanz am 26.03.2011 = 284cm) und sind jetzt an einigen Stellen zu sehen, besonders an der Radolfzeller Aachmündung, wo sich seit einer Woche 1-4 Ind aufhalten.

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“, Moos, 26.03.11 (Foto S. Trösch)

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. „calidus“?
Heute Samstag, 26.03.11, wurde an der Radolfzeller Aachmündung ein Falke beobachtet, mit folgenden Grobkennzeichnung: Greifvogel vom Typ „Lannerfalke“, Falco biarmicus, ggf. auch junger Wanderfalke ssp. „calidus“. Am Boden kräftig wirkender Falke mit auffallend langen, hellen, sandfarbenen Hosen, allgemein hellbrauner Erscheinung mit auffäligem, durch schwarzen Bartstreif und Augenbinde kontrastreichem Kopf und hellem Scheitel. Schwanz gleich lang wie Flügel. Im Flug ähnlich Wanderfalke, jedoch „schwerfälliger“ wirkend. Trägt weder Geschüh noch Ring. Kommentare zu diesem Vogel sind hier erwünscht.

Unbestimmter Falke bei Moos am 26.03.11 (Foto S. Trösch)

(Sämtliche Beobachtungsangaben, ausser diejenigen des Autors, ohne Gewähr, Quelle www.ornitho.ch)